Besuch zur Halbzeit

Sportlehrer...

Hallo an alle da draußen! :) Entschuldigt, dass wir uns eine etwas längere Zeit nicht gemeldet haben. Einerseits ist nicht viel in letzter Zeit passiert. Auf der anderen Seite sind ein paar Kleinigkeiten passiert, über die ich nicht so schnell berichten konnte!

Aber das wird nun hier erledigt! :)

Tanja und ich sind jetzt schon über sechs Monaten hier und haben die Halbzeit unseres Aufenthalts ordentlich gefeiert! Sechs Monate sind eine lange Zeit und doch kommt sie uns so kurz vor. Das liegt wahrscheinlich daran, dass wir auf der Arbeit immer gut zu tun haben und die Wochen nur so dahinfliegen. Wir beide finden, dass Peking für uns zu einem kleinen Zuhause geworden ist. Wir fühlen uns hier echt wohl! Es gibt natürlich auch Sachen, die uns stören! Über die können wir aber super hinwegsehen, gerade weil wir wissen, dass wir in sechs Monaten China leider wieder den Rücken kehren werden um einen unserer Träume zu verwirklichen.

Sechs Monate...und noch immer lachen wir über so viele Sachen hier, weil sie einfach zu lustig sind. Geht man zum Beispiel durch die Straßen Pekings, kommt man nicht drum herum, Angestellte zu beobachten, die eine einstudierte Choreo auf der Straße tanzen oder synchron Businessmottos ausrufen. Diese sogenannten "Role Calls" sind hier üblich und unterscheiden sich voneinander.

 

Fast einen Monat ist es her, seitdem wir von unserem Abenteuer im Süden Chinas wieder da sind. Ich habe daraufhin mit dem chinesischen Gesundheitssystem positive Bekanntschaft gemacht. Nach unserer Reise bekam ich Zahnschmerzen, sodass ich mich in eine Klinik begab. Leider konnte diese Klinik nach mehreren Terminen nicht so richtig die Ursache ausmachen, bzw. wusste die Zahnärztin nicht unbedingt wie sie fortfahren sollte. Zwischenzeitlich standen "Zahn herausnehmen" und "3 Monate Antibiotikum" zur Debatte. Um mir eine Zweitmeinung einzuholen, tingelten Tanja und ich in ein internationales Krankenhaus, in dem der ganzen Angelegenheit ein kurzer Prozess gemacht wurde - Wurzelkanalbehandlung! Nun ist alles wieder gut und ich muss in einer Woche nochmal zur Nachuntersuchung...hoffentlich hat alles funktioniert! :) Des Weiteren haben wir beide es endlich geschafft ein wenig Sport zu treiben. Tanja hat sich in einem Fitnessstudio angemeldet, woraufhin ihr Körper erst einmal ein Veto eingelegt hat und sie krank wurde! :D Ich habe endlich eine Art Verein gefunden, in dem ich Taekwondo praktizieren bzw. lernen kann! Meine erste Trainingseinheit lief unerwartet gut, obwohl ich kein einziges Wort verstanden habe! :D Leider musste ich nach dem Training feststellen, dass ich mir den kleinen Zeh gebrochen habe! :D Wir sind schon richtige Sportlehrer ey! :)

Trotz allem sind wir "gesund" und erleben hier einen richtigen heißen Sommer!

 

Sommer bedeutet hier aber auch der Anfang der Monsunzeit! Viele Teile Chinas erleben zurzeit Überschwemmungen. Auch Peking war davon letzte Woche betroffen! Es regente über 24 Stunden, sodass ich mit Flip Flops und Badehose zur Schule ging. Die Straßen in der Innenstadt waren alle überflutet und einige U-Bahnen konnten nicht mehr fahren. Unsere beiden Schulen blieben jedoch unversehrt. Ein Gutes hatte die ganze Sache: Wir durften 2 1/2 Stunden früher gehen, damit wir nicht Gefahr liefen, im Dunkeln nach Hause schwimmen zu müssen.

 

So das war's erstmal von uns! Tanjas Eltern sind gerade eben gelandet und wir werden zwei schöne Wochen mit ihnen hier in Peking und eine Woche unten im Süden, in Guilin, verbringen. Danach kommt dann noch weiterer Heimatbesuch, auf den wir uns beide auch schon riesig freuen! Zwei meiner engsten Freunde machen sich auf den weiten Weg, uns zu besuchen und die chinesische Mentalität kennenzulernen! Carsten, Marco - nicht mehr lange! :)

Reisegruppe Humpelfuss

Tanjas Eltern sind vor zwei Wochen eingetroffen und haben hier einen tiefen Einblick in unsere verrückte Odyssee bekommen! Am Sonntag kamen die beide gegen Mittag an. Tanja entschied sich ihre Mittagspause um zwei knappe Stunden zu verlängern, um sie vom Flughafen abzuholen. Ihre ausländischen Kolleginnen unterstützten sie bei dem Unterfangen und coverten ihre Unauffindbarkeit! :D Seit diesem Tag haben die beiden so ziemlich alles mitgenommen, was es so in Peking zu sehen gibt. Von Tiananmen, Sommerpalast, Himmelstempel bis hin zur Mauer und den Hutongs wurde alles bis aufs Genaueste inspiziert. Wir hatten unseren Spaß jedes Erlebnis mit ihnen zu teilen, Orte, an denen wir schon waren in einem neuen Licht zu sehen, und auch neue Seiten von Peking zu entdecken. Während der ersten Woche haben wir den beiden praktisch die ganze Palette chinesischen Essens vorgesetzt, haben zu dritt Heuschrecke probiert (Tanjas Papa hat gekniffen) und haben uns den Kunstbezirk von Peking angeschaut. Trotz allem waren diese zum Teil etwas weiteren Wanderungen auch etwas anstrengend, da ich mir den Zeh gebrochen hatte und sowohl Tanjas Mutti als auch ihr Papa kleine Knieverletzungen mit nach Peking schleppten! :D So musste sich anscheinend jeder Chinese fragen, ob das jetzt ein neuer Trend ist, der da aus Deutschland herüber schwappt. :D Reisegruppe Humpelfuss liess sich jedoch nicht beirren und erkundete was das Zeug hält. Beate und Jörg waren sogar auf der großen Mauer unterwegs, auf der die Stufen nicht mehr normal hoch sind!

 

Meinem Zeh und meinem Zahn geht es derweil wieder besser! Die Wurzelbehandlung hat angeschlagen und nun bin ich endgültig schmerzfrei (im Mund)! :D Trotz den schönen Sachen, die wir hier zu viert erleben, stehen wir gerade ganz schön unter Strom. Wir müssen leider nun doch im September ausziehen und sind auf der Suche nach unserer dritten Wohnung. Leider erscheint es fast unmöglich eine Wohnung für nur 4 Monate zu finden (naja unmöglich war übertrieben, aber es ist anstrengend). Viele Vermieter überlassen uns ihre Wohnungen höchstens für 6 und manchmal nur für 12 Monate. Zeitgleich haben wir uns beide noch einen Nebenjob Ende August aufgehalst, aus dem wir nun nicht mehr so schnell aussteigen können. Dabei handelt es sich um ein Sommercamp, bei dem wir Schülern etwas über Deutschland beibringen können. Klingt eigentlich unkompliziert :) Tanja wurde jedoch für die Wochenenden in ein anderes Center versetzt, in dem sie nun aushelfen soll. So weit so gut - wären die Kollegen da nur nicht so euphorisch und hätten Tanja die ganzen Wochenenden mit Arbeit vollgeknallt. Sie kommt kaum zum Luft holen... Aber zum Glück ist es ja nur für einen Monat und danach machen wir uns für drei Wochen im September aus dem Staub um eine kleine Rundreise durch China zu machen und auch die letzten Sachen zu sehen (DAS GEHT GAR NICHT :D). Ab September werde ich dann auch endlich hier mal als Sportlehrer in Aktion treten und den Chinesen mal zeigen, wo der Hammer hängt - dieses unsportliche Pack hier :D Ich habe es "vielleicht" (Vertrag muss noch unterschrieben werden) geschafft in Zukunft ein paar Sportstunden an einer öffentlichen Schule zu unterrichten. Damit wird ein kleiner Traum wahr, einen Einblick in das öffentliche Schulsystem zu erhalten und vielleicht das ein oder andere mitzunehmen! Ich freue mich schon sehr drauf! Ihr merkt schon - wir sind immer auf Achse! Aber wir versuchen alles unter einen Hut zu bekommen und uns gleichzeitig keinen Stress zu bereiten! Und - das kommt noch dazu - wir haben uns beide! Wir passen schon aufeinander auf! :) <3

 

Nach einer Woche in Peking haben wir uns nun dann am Sonntag für mehrere Tage aus unserer Wahlheimatstadt verabschiedet und sind zu viert in den Süden Chinas nach Guilin geflogen, um ein wenig zu urlauben. Doch dazu mehr im nächsten Bericht! :)

Reisterrassen - Klappe: Die Zweite!

So stürzten wir uns dieses Mal zu viert in das nächste große Abenteuer - Guilin! Tanjas Eltern waren so toll und hatten vorher alle Unterkünfte und Reiserouten herausgesucht. Ein riesen Dankeschön geht dabei noch einmal an Beate, die durch ihre fantastische Planung diesen Trip unvergesslich gemacht hat. Am Sonntag ging es direkt nach unserer Arbeit zum Flughafen um wieder in den Süden Chinas zu fliegen. Unser Ziel war die Stadt Guilin, welche in der Provinz Guangxi liegt.

Nachts um 2 Uhr kamen wir nach kurzen Verhandlungen mit dem Taxifahrer in unserem Hotel an. Die schöne Stadt Guilin sollte jedoch zunächst erst einmal nur ein Zwischenstopp sein. Am nächsten Tag ging es mit dem Bus Richtung Ping’an. Auch dieses Mal mussten wir auf unserer Anreise wieder zweimal den Bus wechseln, wobei der Motorschaden beim zweiten Bus von uns ungewollt und unvorhersehbar war. :D Wer unseren Beitrag aus Yunnan kennt, weiß, dass uns so schnell keine Busfahrt mehr schocken kann! Es ist allerdings nochmal was anderes, wenn du beim Buswechsel durch subtropische Klimaverhältnisse stapfen musst. Es war verdammt heiß! :D Unser Urlaub sollte jedoch durch ein paar Regentage erträglicher gemacht werden! :) Darüber waren wir alle sehr dankbar!

 

In Ping’an angekommen, genehmigten wir uns eine kleines aber üppiges Mittag und machten uns nach einem vorher angesprochenem Regenguss auf den Weg die Hauptattraktion von Ping’an zu begutachten – Reisterrassen! Diese waren nicht mit denen zu vergleichen, die wir schon in Yunnan gesehen hatten. Nicht terrassen- sondern eher treppenförmig zogen sie sich durch Berg und Tal und gingen bis dicht an die Dörfer heran. Auf der Aussichtsplattform „Nine Dragons and Five Tigers“ verhaarten wir eine Weile, schlürften ein paar Maracujas, wanderten wieder bergab, ergatterten Souvenirs und fanden uns nach der Abenddämmerung in einem „typisch“ chinesischen Restaurant ein. Leider war dieses Restaurant kaum mehr typisch chinesisch. Tippt man „Chinas Sehenswürdigkeiten“ bei Google ein, sind die Reisterrassen in der Nähe von Guilin ganz Vorne zu finden. Man merkt, dass in Ping’an vieles auf Ausländer ausgerichtet ist. Alles ist ins Englische übersetzt; Das Essen war wenig feurig. Es ist bemerkenswert, was alles getan wird, damit sich Ausländer hier wohl fühlen. Leider haben die Einwohner ihren eigenen traditionellen Charme ein wenig vergessen! Trotz allem ist Ping’an ein kleines niedliches Städtchen und wir haben es dort zwischen den Reisterrassen sehr genossen.

 

Am nächsten Tag ging unsere 6-stündige Wanderung durch die Reisfelder los. Einem kleinen Pfad folgend, machten wir uns nach Dazhai auf. Beeindruckender kann man die Reisterrassen nicht erkunden. Es war unglaublich! An diesem Tag unserer Reise sind hunderte schöner Fotos entstanden, die nicht annährend wiedergeben können, wie toll diese Landschaft ist. Zur Mittagszeit kamen wir in ein kleines Dörfchen. Jeder, der uns hier begegnete, fragte, ob wir bei ihnen essen wollten. Nachdem wir festgestellt hatten, dass es hier nirgendwo ein Restaurant gab, willigten wir schlussendlich ein. Sie nahm uns mit nach Hause, schickte zwei andere Frauen los, Kräuter und Gemüse zu holen (sie ist wirklich auf die Reisterrassen gegangen um Grünzeug für unser Essen zu holen :D) und kochte für uns ein tolles Mittagessen. Danach ging es weiter in Richtung Dazhai. Nach mehrmaligem Nachfragen, fanden wir unsere kleine aber feine Jugendherberge wieder inmitten der Reisfelder! :D In diesem Moment setzte zum dritten Mal pünktlich der Regen ein, wodurch sich jede weitere Erkundung des Geländes erübrigte – nicht, dass unsere Füße uns irgendwohin noch getragen hätten :D Die Aussicht war herrlich! Vor unseren Fenstern erstreckte sich ein riesiges Tal voller Reisterrassen. Zum Abendbrot gab es eine Guangxi-Spezialität - Hühnchen und Reis in Bambusstangen. Ganz lecker, aber doch etwas mühselig zu essen! :D

 

Am nächsten Morgen verließen wir die Reisterrasen und fuhren zurück nach Guilin. Um den angefangenen Tag noch bestmöglich zu nutzen, entschieden wir uns für die berühmte Höhle der Rohrflöte. Durch einen VIP-Eingang (dank unserer Hotelmutti) gelangten wir in eine riesengroße Tropfsteinhöhle mit Millionen von Stalagmiten, Stalaktiten und Stalagnaten, die durch tolle farbenfrohe Leuchtröhren in Szene gesetzt wurden. Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus!

 

Anschließend erkundeten wir nun endlich die Innenstadt von Guilin. Es ist kein Wunder, dass Guilin bei jeder Googlebefragung auftaucht. Es ist eine tolle Stadt, die selbst in der Nacht von so vielen tollen Lichtern angestrahlt wird, dass man sich einfach nur wohlfühlen kann. Wir schlenderten ein wenig durch die Gassen, bestaunten die Zwillings-Pagoden, die Mond und Sonne darstellen, und feierten am Abend gemütlich in den Geburtstag von Tanjas Mutti rein.

 

Damit brach schon der letzte Tag für Tanja und mich an, da wir am Wochenende wieder arbeiten mussten. Tanjas Eltern sind jedoch noch zwei Tage länger geblieben. Wir wollten an unserem letzten Tag nach Yangshuo fahren – und zwar mit dem Boot! :) Eine Bootstour auf dem Fluss „Li“ war geplant. Hierzu brauch man nicht viel zu sagen – die Fotos sagen alles. Wir wurden nicht nur von herrlichem Wetter, sondern auch von einer wunderschönen Landschaft begrüßt. Die ungewöhliche Berglandschaft entstand vor Tausenden von Jahren, als das Himalaya-Gebirge entstand und diesen Teil Chinas mit aus dem Meer hob. Luft und Wasser taten ihr übriges und geblieben sind atemberaubende Berge, die wie vereinzelte Kegel in der Landschaft "herumstehen"! :D Lustigerweise ging den Chinesen die wunderschöne Landschaft „am ... vorbei“! Viele trauten sich wegen der Sonne gar nicht heraus (man könnte ja braun werden), andere wiederum verschliefen die Bootsfahrt. Naja, jedem das Seine! :D

 

In Yangshuo angekommen, testeten wir erst einmal den kleinen Pool unserer Unterkunft (er war wirklich klein – aber fein :D)! Abends machten wir uns dann noch auf, Yangshuo etwas zu erkunden und fanden uns in einer Stadt voller ausländischer Touristen wieder. :D Yangshuo strotze nur so von italienischen Pizzarien, deutschen Würstchenbuden und einem Nachtleben, was sich sicher sehen lassen kann. Leider konnten wir dies nicht auskosten, da wir beide am nächsten Morgen um 4.30 Uhr ein Taxi zurück nach Guilin nehmen mussten, um unseren Flieger nach Peking zu bekommen! :)

 

Das Wochenende hatten wir dann kurz Zeit für uns! :D Jedoch bereiteten wir uns schon mental auf die 6-fach-Belegung unserer Wohnung vor. Tanjas Eltern kamen am Sonntag wieder und empfingen mit uns gemeinsam am Montag Carsten und Marco, zwei meiner Freunde aus der Heimat. Wer sich erinnert, wie groß unsere Wohnung ist, weiß auch, worauf wir uns da eingelassen haben! :D

Full House in Peking

Somit brach die erste Woche für die Jungs und die letzte Woche für Tanjas Eltern an. Am Montag früh kamen Carsten und Marco bei uns an. Ich lieferte sie zu Hause ab und machte mich sofort zu meiner Demo-Stunde/Vorstellungsgespräch auf. Ich sollte für eine halbe Stunde Basketball und r die andere halbe Stunde Selbstverteidigung unterrichten. Beim Eintreffen in der Schule fragte mich der Rektor, ob wir das ganze drinnen oder draußen stattfinden lassen wollen. Daraufhin erkundigte ich mich, ob sie eine Turnhalle hätten. Die Antwort löste ein ungewolltes Lachen in mir aus - Nein! :D Wie soll denn das Ganze dann drinnen stattfinden? :D Die nächste Frage des Rektors war, ob ich einen Basketball mitgebracht hätte. Spätestens jetzt würde jeder mit dem Kopf schütteln. Die haben ja gar keine Ahnung vom Sportunterricht. Der Sportplatz war voller Hundehaufen und die Schüler sprachen zum Teil kein einziges Wort Englisch. Die nächsten Monate werde ich nun an dieser Schule Sport unterrichten und ich habe das Gefühl, dass es ein komplettes Chaos wird. :D Ich freu mich darauf!

 

Danach ging es zu sechst zu den Minggräbern im Norden von Peking. Ein schönes Areal von 13 Minggräbern erstreckt sich hier nur knapp 1 1/2 Stunden vom Stadtzentrum entfernt. Aufgrund von Zeitgründen schauten wir uns nur das wichtigste Grab von allen an. 10 der 13 Gräber sind außerdem nicht für Touristen zugänglich. In einem der Gräber kann man gut mehr als zwei Stunden Zeit verbringen. Trotz relativer Berühmtheit konnte man hier alles in Ruhe und Gelassenheit erkunden und wurde nicht im Sog von unzähligen Touristen ertränkt. Zurück in unserer Wohnung verschnauften wir nur kurz und trieben die beiden Neuankömmlinge weiter an wach zu bleiben, um den Jetlag so gut wie möglich zu überstehen. Tanja hatte einen kleinen Nebenjob für uns vier gefunden, bei dem wir irgendwas auf deutsch aufnehmen sollten. Für zwei Stunden Arbeit gab es für jeden 50 Euro bar auf die Hand. Was wir allerdings nicht wussten, war die eigentliche Aufgabe. Letztendlich durften wir uns zwei Stunden lang über das Wetter, Berühmtheiten, Soziale Netzwerke und das Fernsehen unterhalten. Jedes Thema musste 30 Minuten lang besprochen werden. WETTER??? 30 MINUTEN LANG??? :D Wir hätten uns wahrscheinlich auch über alles andere unterhalten können. :D

 

Am darauffolgenden Tag schlenderte ich mit den beiden Jungs durch die Innenstadt. Wir besuchten den Himmels-, Lama- und Konfuziustempel und gönnten uns am späten Abend eine Teezeremonie. Diese hatten wir in der vergangenen Woche schon einmal mit Tanjas Eltern zusammen genossen. Dabei sucht sich jeder eine Teesorte aus, die einem dann in kleinen Kännchen serviert wird. Sobald die Kanne leer ist, wird wieder Tee nachgegossen. Das Aufgießen wiederum wird von einem Teemeister feierlich vollzogen, der bei unserem ersten Besuch irgendwann Interesse an uns gewann und uns einlud, mit ihm gemeinsam einen speziellen grünen Tee zusammen zu trinken. Das ganze Spektakel dauert ein bis zwei Stunden und ist wirklich erholsam. Da wo wir waren, sitzt man quasi mitten in einem Wald, obwohl man sich mitten in der Stadt befindet. Man hört das Plätschern von Wasser, das Zirpen von Grillen und alles ist schön grün gestaltet. Dazu bekommt man den Tee, der nach jeder Runde Aufgießens noch intensiver schmeckt. Ein tolles Erlebnis!

Die nächsten Tage mussten wir wieder arbeiten, während die beiden Jungs Peking erkundeten. Tanjas Eltern, die eigentlich einen Trip in die Provinz "Innere Mongolai" geplant hatten, wurden unerwartet krank und mussten unsere Wohnung und vor allem das Bett bewachen!

 

Die Tage, die wir zu sechst in der Wohnung verbrachten, waren - abgesehen von null freier Fläche im Wohnzimmer und Marcos gelegentlichem Schnarchen, eigentlich ganz ok! :D Am Freitag, dem letzten Tag für Tanjas Eltern, machten wir uns noch einmal zu einem wilden Stück der Großen Mauer in Jiankou auf. Trotz aller Gefahren, die wir dort mit meinem Bruden und seiner Freundin erlebt hatten, hat ihre Schönheit und Wildheit uns bis heute nicht losgelassen. Auch jetzt, wo wir ein zweites Mal da waren, haben wir uns geschworen noch mindestens einmal im Herbst oder Winter wiederzukommen. Dieses Mal haben wir nicht den langen zweistündigen Aufstieg gewählt, sondern sind von der Nordseite eine einfachere Route hochgewandert. Somit war es auch kein Zufall, dass wir an einer ganz anderen Stelle auf der Mauer herauskamen. Aufgrund der früheren Erfahrungen haben wir es dieses Mal allerdings gelassen, auf der Mauer weiter umherzuwandern. Jiankou ist einfach nichts für unerfahrene Wanderer, sondern eher etwas für Kraxler oder Leute, die auf Nervenkitzel stehen - also mich! :D Am Abend ließen wir uns wieder einmal nach den Strapatzen ordentlich durchkneten und bereiteten alles für die Abreise von Tanjas Eltern vor. Zwei Koffer mit unseren Sachen haben wir ihnen mitgegeben. Und noch immer sieht es hier nicht leerer aus! :D Na mal sehen, wie viel wir am Ende noch nach Deutschland verschiffen müssen. Vielleicht sollten wir aufhören, überall Souveniers zu sammeln! :D

 

Nachdem Tanjas Eltern am Samstag dann in Richtung Heimat abdüsten, blieben wir mit den beiden Jungs zurück, um noch eine weitere aufregende Woche zu erleben. In diesem Sinne: Beate, Jörg, es war eine sehr schöne Zeit mit euch!! :)

 

zwei Städte von oben...

Genau wie der August neigte sich auch so langsam unsere gemeinsame Zeit mit Marco und Carsten dem Ende zu. Jedoch stachelte uns der Tatendrang der beiden noch einmal an, Neues in der Umgebung von Peking zu erkunden. Die Jungs ließen uns dankbarerweise einen Tag Zeit um ein wenig durchzuschnaufen und machten sich auf den Weg in die Hafenstadt Tianjin. Wir folgten ihnen einen Tag später und verbrachten dort den gesamten Montag zusammen. Tianjin ist genauso wie Shanghai, Beijing und Chongqing eine Stadtprovinz. In China gibt es insgesamt 34 Provinzen, von denen wir insgesamt schon acht besucht haben.

 

Mit dem Schnellzug fuhren wir nur 45 Minuten und landeten in Tianjin, wo wir von den beiden herzlich begrüßt wurden. Da die beiden schon einen Tag in der Hafenstadt verbracht hatten, konnten wir uns ganz entspannt zurücklehnen und es mal genießen von anderen geführt zu werden. Tianjin ist eine große Hafenstadt, in der das Moderne und das Altmodische Hand in Hand gehen. Überall sieht man riesige geniale Architekturwunder und dann wieder mal eine typisch chinesische Gasse, die nur aus kleinen niedlichen Häuschen besteht. Wir machten uns zum Radio- und Fernsehturm von Tianjin auf um ein besseres Gefühl für die Größe dieser Stadt zu bekommen. Von hoch oben hatten wir eine unglaubliche Sicht, obwohl das Wetter an diesem Tag nicht unbedingt mitspielen wollte. Eine weitere Attraktion von Tianjin (man will es kaum glauben) ist das italienische Viertel, in das wir uns danach aufmachten. :D

 

Um dorthin zu gelangen muss man am Fluss entlang laufen, der komplett durch Tianjin fließt. Romantisch könnte man denken, wenn man ein Bild wie in London oder Prag im Kopf hat. Das Gegenteil ist leider jedoch der Fall. Ich wollte auf diesem Blog keine direkte Kritik äußern, aber was wir dort gesehen haben, verschlug uns die Sprache. Es ist erschreckend zu sehen wie dort mit der Natur und vor allem mit dem Wasser umgangen wird. Dass man in China das Leitungswasser nicht trinken sollte, ist vielen bekannt. Selbst in Europa sind davon so einige Länder betroffen. Allerdings sind in China (jetzt kommt der Lehrer raus – diesen Stoff vermitteln wir den Kids hier) 70% der Gewässer verschmutzt und über zwei Drittel so stark, dass keine Fische mehr in ihnen leben. Dieses Bild brannte sich in Tianjin in unseren Kopf. Überall schwammen kleine und große tote Fische, tote Flussschildkröten und sogar tote Muscheln. Schockierender war jedoch noch mehr der Anblick, der sich uns bot. Zwischen den ganzen Kadavern schwammen und badeten Menschen. Als wir dann noch einen Mann sahen, der sich mitten im Fluss mit Seife säuberte, verließen wir so schnell wie möglich die Szenerie. Entschuldigt den kleinen Auszug! Zurück zum Lustigen. :)

 

Angekommen im italienischen Viertel bemerkten wir, dass es eher in das bayerische Viertel umbenannt werden sollte. Überall gab es Weißwürste und bayerisches Bier zu kaufen. :D Natürlich wurde dies alles als typisch deutsches Essen verkauft – ach diese Stereotypen! :D Na gut, auch wir haben im Vorhinein viele Vorurteile über Chinesen gehört, die sich absolut nicht bestätigt haben! Nach diesem ereignisreichen Tag fuhren wir abends zurück nach Peking um noch einmal auf unseren geliebten Nachtmarkt zu gehen. Den nächsten Tag erkundeten wir den sogenannten „Fragrant Hills Park“ im Westen von Peking. Nur eine kleine Wegstrecke hinter dem Sommerpalast entfernt, liegt ein schönes Areal, welches sich über einen Berghang zieht. Auf diesem Berg befinden sich überall kleine versteckte Tempelanlagen. Fußlahm, nach den ganzen letzten Wochen, beschlossen wir mit einem Sessellift nach oben zu fahren und dann nach unten zu wandern. Oben erwartete uns eine atemberaubende Sicht auf Peking. Bei absolut überragendem Wetter konnte man Peking in seiner kompletten Größe bestaunen. Ein „Muss“ für jeden, der sich nicht vorstellen kann, wie groß eigentlich eine Stadt mit über 20 Millionen Einwohnern ist. :)

 

Bevor die beiden Jungs dann den Flieger am Donnerstag bestiegen, wurden sie noch zum obligatorischen Peking-Ente-Essen und zum gemütlichen Cocktail in der Bar Atmosphere, hoch oben über Peking, gezwungen. :D Damit endete unsere gemeinsame Zeit mit den beiden und wir waren wieder alleine. Zum einen Teil waren wir erleichtert, dass in dieser Zeit alles problemlos geklappt hatte und wir nun unsere Wohnung wieder für uns hatten. :D Zum anderen Teil waren wir traurig, da eine tolle Zeit mit Tanjas Eltern und mit Carsten und Marco nun vorbei war. So richtig Zeit um Trübsal zu blasen, haben wir allerdings nicht, weil nächste Woche unsere Hammerarbeitswoche beginnt und wir nebenbei noch eine neue Wohnung suchen müssen. Und unser 3-Wochen-Trip durch China muss auch noch geplant werden. Man man man – hier ist was los! :D

 

Liebe Beate, lieber Jörg, lieber Marco, lieber Carsten, ich hoffe, ich bin hier allen Erlebnissen, die wir zusammen erlebt haben, gerecht geworden. Vielen Dank für die tolle Zeit mit euch! Wir haben uns sehr gefreut euch bei uns aufnehmen zu können und euch einen gewissen Einblick in unser derzeitiges Leben in einem komplett fremden Land zu geben. Für alle anderen – uns geht es sehr gut hier! :D Peace out! Tanja und Flo

Lehrer 24/7 + Umzug Nr. 3

Nach den ganzen Besuchen konnten wir uns nur ein wenig erholen, da wir uns die folgende Woche gewollt und zum Teil auch ungewollt vollgepackt hatten. Wir wurden gefragt, ob wir in einem Sommercamp 5-10-Jährigen etwas über Deutschland beibringen wollen. :) Uns hat es sehr gefallen und wir gaben unser Bestes, den Schülern die deutsche Mentalität näherzubringen. Vieles des Unterrichteten bezog sich auf das Bundesland Bayern, mit seinen Lederhosen, Oktoberfesten und vielen Schlössern. Zudem haben wir den Kids Grimms Märchen vorgelesen, Manieren beigebracht (das war das Beste :D) und Apfelstrudel mit ihnen zusammen gebacken. Am Ende der Woche wurde alles den Eltern präsentiert, die wiederum sehr begeistert von dem Schauspiel „Schneewittchen“ waren, welches die Schüler einstudiert hatten. Wir hatten beide eine tolle Zeit, wäre da nicht noch unsere Arbeit gewesen. :D Wir machten uns die ganze Woche über um 8 Uhr zum Sommercamp auf, um danach zu unserer Arbeit zu gehen. Doch selbst da konnten wir nicht herunterkommen, da wir auf der Suche nach einer neuen Wohnung waren. Nach einer guten 70-Stunden-Woche war dann das Sommercamp vorbei und wir hatten endlich eine neue Wohung. Die Wohnungssuche hatte sich jedoch etwas schwieriger gestaltet.

 

Da wir nur noch vier Monate in China verweilen, war es fast unmöglich eine Wohnung zu finden. Viele Wohungen werden nur für sechs oder 12 Monate vermietet. Nach etlichen Sackgassen wendeten wir uns schließlich an Liangia, ein Vermietungsbüro. Hierbei geht ein großes Dankeschön an die beiden Kollegen, die keine Mühen gescheut haben und sich mit uns abends sowie morgens getroffen haben, um sich mit uns Wohnungen anzuschauen. Eigentlich wollten wir in unserem Stadtbezirk Wudaokou bleiben. Dort hatten wir auch eine Wohnung gefunden, die uns sehr gefiel. Allerdings machte uns die Polizei des Bezirks einen Strich durch die Rechnung: Es sollten keine Wohnungen mehr an Ausländer vermietet werden. Relativ entspannt machten wir uns weiter auf die Suche - das haben wir hier in China schon gelernt! :D

 

Ich guckte mir mit den beiden Kollegen weitere Wohnungen an, während Tanja im Sommercamp deutsches Brot backen war. :D Wir fanden eine Wohnung in der Nähe unserer beiden Arbeitsplätze. Wir laufen somit nur noch eine knappe halbe Stunde und sind auf Arbeit. Ein absolutes Plus! :) Ansonsten liegt die Wohnung in einer Gegend, die nicht so anonym ist, wie Wudaokou es war. Die Leute müssen sich erstmal noch an unseren Anblick gewöhnen. :D Die Küche hat leider nur kaltes Wasser und das Bad - naja sagen wir mal, klein aber fein. :) Aber wir fühlen uns jetzt schon sehr wohl. In der Nähe befindet sich außerdem die berühmte Renmin Universität, sodass es an jungen Leuten nicht mangelt. Sechs Taxifahrten hat es gedauert, ehe wir alle Sachen in der neuen Wohnung hatten und der obligatorische IKEA-Besuch steht uns noch bevor. :D Ich werde demnächst wieder ein Video hochladen, um euch die neue Wohnung zu präsentieren! Seid gespannt! :)

 

Meine Tätigkeit als Sportlehrer an einer internationalen Schule habe ich auch begonnen. Hier werde ich jetzt demnächst sechs Stunden Basketball plus Selbstverteidigung unterrichten. Im Winter wird, aufgrund des Fehlens einer Halle, ein ganzer Klassenraum mit Matten ausgelegt. Entzückend! :D

 

So, damit seid ihr wieder schriftlich auf dem neuesten Stand. Bildlich fehlt noch einiges! Das kommt noch! :D

 

In knapp 14 Tagen gehen wir dann auf Großreise und reisen für drei Wochen quer durch China um Orte wie Shanghai, Suzhou, Zhangjiajie (Avatar wurde hier gedreht) und Chengdu kennenzulernen. Gefühlt werden wir die meiste Zeit allerdings in Zügen verbringen. Sieben Zugtickets hat schon jeder von uns! :D Und es werden noch mehr…

 

Bis dahin gehabt euch wohl, habt euch lieb und streitet nicht! ;) <3