Der Drei-Wochen-Roadtrip

Kindergeburtstag in Shanghai

Lange ist es her, dass wir uns schriftlich gemeldet haben. Ihr wisst ja wie das ist – aus dem Chaos muss erstmal Ordnung gemacht werden. Mit etwas Abstand blicken wir nun auf unsere Reise quer durch China zurück. Sechs Provinzen haben wir bereist. Genau 24 Tage waren wir unterwegs. Über drei Tage saßen wir davon zusammengerechnet in Zügen und Bussen.

 

Nach einer etwas kurzen Nacht (eine Stunde Schlaf – wir waren so aufgeregt :D) ging es am 15. September los in Richtung Shanghai. Auf den ersten Stopp unseres Roadtrips freuten wir uns besonders, weil ich dort meinen 29. Geburtstag feiern konnte. :) Allerdings begrüßte uns Shanghai mit einer Menge Regen. Und ihr müsstet bereits wissen, was eine Menge Regen in China bedeutet…Yep, die Straßen waren überflutet! :D Das machte uns jedoch keinen Strich durch die Rechnung, da wir auf solche Wettereskapaden hier längst vorbereitet sind. Lediglich unsere Schuhauswahl ließ zu Wünschen übrig, da wir am Ende beide mit nassen Botten herumliefen und uns jeweils die Krankheit einfingen, die jeden Toilettengang zur Qual macht. :/

 

Wenn man in Shanghai ist, kommt man nicht um "den Bund" drumherum. Ehrlich gesagt, führt fast jeder Weg an der tollsten Skyline Chinas vorbei. In den drei Tagen, in denen wir im „westlichen“ Shanghai waren, haben wir uns nicht satt sehen können. Die Fotos sagen hier mehr als tausend Worte. Den ersten Abend ließen wir mit einem obligatorischen Hotpot-Essen und einem Besuch in einer Captain-Bar, mit Blick auf den Bund, ausklingen.

 

Ganz spießermäßig entschieden wir uns dafür meinen Geburtstag im Hotelraum einläuten zu lassen. Ein riesengroßes Dankeschön hierbei an alle, die  in schriftlicher und/oder auch gedanklicher Form an mich gedacht haben! :D Mein Geburtstag startete mit einem phänomenalen Geschenk von Tanja, von dem ihr in der Zukunft mehr zu sehen bekommt – ich sage nur GoPro!!!! :D Nach dem „must-have“ Frühstück im Bett ging es auf das zweitgrößte Gebäude der Welt, dem Shanghai-Tower. Oben angekommen, befanden wir uns im Himmel, umgeben von Wolken. Doch dann lichtete es sich und man hatte eine atemberaubende Sicht. Man waren wir hoch!! Der Shanghai-Tower gehört mit zur Skyline des Bunds und wird in 4 Jahren nur noch das fünftgrößte Gebäude der Welt sein… die Chinesen legen nach! :D Nachdem wir uns oben sattgesehen hatten, schlenderten wir durch die Straßen Shanghais mit keinem wirklichen Ziel. „Atmosphäre-Aufsaugmodus“ aktiviert! Tanja hatte zum Abschluss des Tages ein tolles Restaurant in der Nähe des Yuyuan Garten herausgesucht, in dem auch schon die Clintons gegessen haben sollen. (Notiz: Holy ****, was ist das denn für eine Clownsveranstaltung da drüben…?) Danach wollten wir eigentlich in eine schöne Bar am Bund, die sich allerdings als Schicki-Micki-Bar herausstellte, in die ich nie im Leben mit meinen nassen, halbzerfetzten Turnschuhen hineingekommen wäre. Somit ließen wir den Abend noch einmal in unserer Captain-Bar ausklingen.

 

Am letzten Tag in Shanghai wurde uns dann doch noch einmal strahlender Sonnenschein vergönnt. Der Yuyuan Garten im Herzen der Stadt war unser letztes Ziel für die kurze Zeit, die wir in Shanghai hatten. Hier wurde der Unterschied zu Peking nun deutlich sichtbar. Ausländer so weit das Auge reichte. Shanghai orientiert sich eindeutig mehr am Westen, was man nicht nur am Essen, sondern auch am Geldbeutel merkt. Die kleinen Obst- und Gemüsenläden, die es in Peking ÜBERALL gibt, sind hier schon fast ausgestorben.

 

Wir waren sehr von Shanghai beeindruckt, sind jedoch froh darüber, uns damals für Peking entschieden zu haben. Wenn man schon in China lebt, dann wenigstens so, dass man die volle Breitseite des Kulturshocks abbekommt! :D Am Abend ging es dann weiter nach Suzhou, welches uns als das chinesische Venedig beschrieben wurde. Wir waren gespannt! :)

Das Fake-Venedig von China  + Altertümlich ist Auslegungssache

Am Abend kamen wir dann in Suzhou an. Wir checkten in unser eher kleines Hotel ein, sahen die kleinen Handtücher und fragten an der Rezeption, ob es auch große Handtücher gäbe. Als Antwort bekamen wir weitere kleine Handtücher.

Merke: Kleines Hotel = kleine Handtücher! :D Wir machten uns noch etwas mit der Umgebung vertraut und gingen schlafen. Der nächste Tag sollte wieder von vielen Wegmeilen geprägt sein. Suzhou ist nicht nur durch seine Kanäle, sondern auch durch seine vielreichen Gärten bekannt und berühmt.

 

Gegen Mittag machten wir uns somit zu den ersten zwei Gärten auf. Verkehrsmittel mussten wir gar nicht erst benutzen, da alles in Reichweite lag – ungewöhnlich für uns! :D Die Gärten waren bezaubernd angelegt und schön gepflegt. Überall stieß man auf Lotus und Seerosen. Gern verirrten wir uns in den wie Irrgärten angelegten Gärten und tankten etwas Ruhe und Gelassenheit in Suzhous Gärtenlabyrinten. Am Nachmittag hatten wir noch etwas Zeit und entschieden uns noch ein weiteres Wahrzeichen Suzhous zu erkunden – Tiger Hill. Nach einer kurzen und doch prägenden Taxifahrt erreichten wir eine riesige Pagode, die man schon von weitem sehen konnte. Der Taxifahrer schien ein Interesse an unserer Herkunft zu haben und ließ es sich nicht nehmen unseren ehemaligen „großartigen“ Führer ins rechte positive Licht zu rücken. Mit etwas angewiderter Miene ließen wir ihn gewähren. Da Mao ihn mochte, kann man es schon fast verstehen, dass einige Chinesen immer noch so denken. Naja...

 

Tiger Hill ist eine wirklich große Pagode, die, wenn man aus nördlicher oder südlicher Richtung draufguckt, fast perfekt aussieht. Nähert man sich jedoch vom Osten oder Westen, erkennt man die zweite Pisastatue dieser Welt. Ach du grüne Neune…ist die schief! :D (Es scheint, dass Suzhou noch mehr mit Italien gemeinsam hat :D)

 

Nachdem wir die Pagode eingehend studiert hatten und wirklich sicher waren, dass sie nicht jeden Moment umfallen würde, liefen wir die ganze Strecke zurück in die Stadt. Dem Fluss folgend, wurden wir uns der Kluft zwischen Arm und Reich wieder einmal merklich bewusst. Viele Menschen leben an diesem Fluss ihr ganzes Leben. Bedauernswert betrachteten wir ihr armseeliges und doch anscheinend glückliches Leben und stellten ein weiteres Mal fest, wie gut wir es doch haben…

 

Zurück in der Innenstadt ließen wir uns noch einmal von der Menge treiben und ließen den Abend und unsere kurze Zeit in Suzhou am Fluss an der Pingjiang Straße schön ausklingen. Suzhou war nicht das Venedig, das wir uns erhofft hatten. Die wenigen Kanäle ließen noch nicht einmal eine Ähnlichkeit zu Lübben oder Lübenau erahnen. Und doch hatte Suzhou etwas. Es ist gemütlich, ruhig und lädt ein, etwas von dem Alltagsstress abzuwerfen. Die Gärten tragen dazu einen großen Teil bei, wenn da nicht die hohen Eintrittskosten wären. :D

 

Am darauffolgenden Tag ging es mit dem Bus weiter nach Zhouzhuang, einem altertümlichen Städtchen. Nach einer zweistündigen Busfahrt und einer kurzen Schiffsfahrt wurden wir am südlichsten Zipfel einer Halbinsel abgesetzt. Die alte Stadt Zhouzhuang lag vor uns, und doch hatte alles auf den ersten Blick wenig mit „altertümlich“ zu tun. Neue Apartments und Hotels erschienen vor unseren Augen, die allesamt leer standen und schon anfingen zu rosten und zu verfallen. Hier einmal vorweg genommen: Wir haben in unserer ganzen Zeit in China keine einzige Stadt gesehen, in der nicht neue Häuser, Hotels oder Hochhäuser gebaut werden. Das Problem, welches uns damals schon in Zhengzhou begegnete, ist überall gegenwärtig. Es wird gebaut und gebaut, nur weiß leider keiner für wen das ganze gebaut wird. Das Resultat: Betonruinen so weit das Auge reicht. Leider auch manchmal an wirklich tollen Plätzen, die dadurch an Reiz verlieren.

 

Nachdem wir den neuen Teil der altertümlichen Stadt hinter uns gelassen hatten, stießen wir dann doch endlich auf das uns beschriebene kleine Städtchen. Niedliche alte Häuser, voller wunderschöner Gassen und Kanäle, erstreckten sich vor uns. Wie leider überall wird der Tourismus auch hier GANZ groß geschrieben, sodass man keine Zeit bekommt sich alles in Ruhe anzuschauen, sondern eher gehetzt durch die Gassen rennt um dem „Hello, hello, looki, looki“ zu entgehen und nicht doch die nächste Bootstour aufgeschwatzt zu bekommen. :D In einem Tempel wurde uns gezeigt, wie man die Räucherstäbchen richtig anzündet und richtig betet. Am Ende stand dann der Mann mit der Frage da, wie viel man denn bezahlen würde. Wir kennen dieses Spiel schon und sind mit einem Lächeln auf den Lippen davongegangen. Wahrscheinlich sind wir jetzt verflucht! :D Bis auf die alten Gebäude, Pagoden und Tempel ist nicht viel von der Mentalität von damals geblieben. Schade drum.

 

Nach einer kurzen Planänderung ließen wir uns zurück nach Suzhou bringen. Dort angekommen hatten wir kurze aber gravierende Verständigungsprobleme: Ich hatte Zugbahnhof mit Busbahnhof verwechselt. :) Allerdings schafften wir unseren Zug noch rechtzeitig und verließen die Jiangsu Provinz in Richtung Süden. Hangzhou, in der sich die Kanzlerin erst vor Wochen aufgehalten hatte, sollte unser nächstes Ziel sein.

Die leuchtende Stadt bei Nacht

Nachdem wir in Hangzhou ankamen, machten wir uns mit der U-Bahn auf, zu unserem Hostel. Anbei sei bemerkt, dass die Infrastruktur in China wirklich gut ausgebaut ist. In jeder großen Stadt gibt es ein U-Bahn-Netz, welches in den nächsten Jahren noch weiter ausgebaut werden soll. Die Pläne für Shanghai, Peking, Chengdu und Kunming sind schon überall zu betrachten. Diesen Trend kann man nur begrüßen, wenn man die Luftverschmutzung draussen sieht, die ja auch aufgrund der vielen Autos ausgelöst wird. Hangzhou ist eine tolle Stadt, die gleich neben dem großenWestsee liegt. Der erste Eindruck gewann Hangzhou für uns. Überall das pure Leben, nette Menschen und einfach nur China. :D In Hangzhou hatte uns Tanja ein tolles Hostel besorgt, in dem wir für zwei Nächte bleiben wollten. Das Hostel war wirklich gemütlich; nur mit unserem Zimmer mussten wir uns etwas anpassen. Wir hatten ein Raum im Dachgeschoss, der alles bot, was man so braucht – Bett und Bad. Nur war leider alles in einem Raum verpackt. Das Bad war zwar dieses Mal nicht einsehbar, aber dafür nur mit einem Vorhang vom restlichen Raum getrennt! :D Wir nahmen es mit Humor

 

Am nächsten Tag machten, wir uns vormittags auf den Weg in Richtung des Tausend-Inseln-See. Mit einem Bus fuhren wir wieder einmal zwei Stunden und kamen gerade so rechtzeitig an, um noch eine der Touren mitzumachen. Wir hatten die eine Tour bereits verpasst, bei der man wilde Affen gesehen hätte. Ich war geknickt. Im Nachhinein haben wir aber an anderer Stelle mehr als genug wilde Affen gesehen. Mehr dazu später. Wir ergatterten eines der letzten Tickets für die Tour und gelangten an Bord, um wieder einmal wie fremdartige Tiere angestarrt zu werden. :D Um auf das zweite Deck zu gelangen, musste man extra noch einmal 5 Euro locker machen. Obwohl wir das absolut nicht gerecht fanden, ließen wir uns unsere gute Laune nicht verderben und zahlten. Der Tausend-Insel-See wurde vor Jahren künstlich angelegt und soll eines der klarsten Gewässen in China sein. Über tausend Inseln kann man erkunden, wenn auch nicht auf eigene Faust. Wie schon so oft, ist auch hier alles kontrolliert und man kann entweder ein privates Motorboot oder eine Tour buchen. Der See sieht fantastisch aus und man kann sogar darin tauchen gehen und zwei Unterwasser-Dörfer erkunden. Diese Erkenntnis besteht jedoch erst seit kurzem. Den Chinesen ist bei der Flutung des Sees damals nicht aufgefallen, dass sie zwei alte verlassene Dörfer mit geflutet haben. :D

 

Angekommen auf der ersten Insel, der Schlösserinsel, wurde uns eine Stunde zur Verfügung gegeben um die Hauptinsel mit den mehreren angrenzenden Inseln zu erkunden. Leider gestaltete sich diese Erkundung eher als Antrieb einer Viehherde. Die Chinesen gingen artig mit und wir suchten die erste Gelegenheit um uns alleine alles anzuschauen. Auf dieser Insel gab es überall Schlösserskulpturen. Viele Touristen hatten auch bereits kleine Schlösser überall abgebracht. Belustigt erkundeten wir die Inseln und fanden immer neue Schlösser. Nur die Schlüssel fanden wir nie! :D

 

Von dort sollte es weiter auf eine romatische Insel gehen. Auch hier kapselten wir uns recht früh von der Meute ab und erkundeten auf eigene Faust. Auf der Insel gab es einen Berg auf dem ein Tempel thronte. Den wollten wir unbedingt sehen. Rein zufällig folgte uns kein einziger Chinese. Hmm, dachten wir… Die haben bestimmt keine Lust, den Berg zu besteigen. Von oben hatten wir eine überragende Sicht auf den See und seine vielen Inseln. Leider hatten wir nicht so viel Zeit alles ein bisschen auf uns wirken zu lassen. Auf dem Weg nach unten, kam uns dann doch noch ein Chinese entgegen. Unten am Boot, wartete schon die ganze Besatzung auf uns, um abzulegen. Wir waren allerdings nicht die Letzten. Per Megafon wurde der letzte Chinese ausgerufen. Wir wussten allerdings, dass das nichts bringen würde, da der Gute seine Ohrstöpsel drin hatte und Musik hörte :D Das Boot legte also erfolglos ab, nur um dann wieder anzulegen, nachdem man eine männliche Gestalt hastig ans Ufer rennen sah! :D Irgendwie fanden es alle ganz lustig. :)

 

Danach war unser Ausflug auf dem Tausend-Insel-See auch schon wieder vorbei und wir machten uns auf den Heimweg nach Hangzhou. Als wir dort abends ankamen, waren wir so von den vielen Lichtern am Wasser überwältigt, dass wir uns spontan dazu entschlossen noch eine Westseerundfahrt bei Nacht zu machen. Eine gute halbe Stunde fuhren wir auf dem See hin und her und sahen die erleuchtete Stadt. Auf der anderen Seite des Sees bot sich uns ein beleuchteter Wald dar. Die Bewohner Hangzhous hatten dort solarbetriebene Lichter angebracht um den Wald bei nacht zu beleuchten. Es sah irre aus!!! :) Unser Abendbrot fanden wir auf einem Straßennachtmarkt, welcher jeden Abend geöffnet hat. Die Auswahl war enorm und wir konnten uns kaum sattsehen. Wir wären gern länger in Hangzhou geblieben. Unser Zeitplan sah jedoch anders aus, sodass wir am nächsten Tag Hangzhou verließen um an die Ostküste zu fahren. Ein wenig traurig waren wir schon, weil wir die Stadt Hangzhou schnell in unser Herz geschlossen hatten. Ein andermal vielleicht! :)

Im Osten nix neues :)

So ging es für uns zurück an die Ostküste nach Xiapu in ein kleines Fischerdorf, mit nur 200.000 Einwohnern. :D Unser Zug hatte zur der Zeit das erste Mal Verspätung, was fast nie in China passiert. Jedoch holte die verspätete Zeit wieder raus und wir kamen pünktlich in Xiaou an. In der Stadt angekommen, waren wir etwas empört über das Verhalten der Taxifahrer, die pertout nicht das Taxameter anmachen wollten. Wir lernten aber schnell, dass man uns nicht übers Ohr hauen wollte, sondern dass es sich einfach nicht lohnte, da die Wegstrecken eh sehr kurz waren. Wir checkten in ein sehr schönes Hotel ein und machten uns danach sofort auf den Strand, bzw. die Küste zu finden. Mit einem kleinen Gefährt, welches Ähnlichkeiten mit einer Rikscha hatte, ließen wir uns zur Küste bringen. Dort angekommen, ließen wir eine der schönsten Landschaften Chinas auf uns wirken - die Mudflats. Eine kleine Meerenge, die von Insel umgeben ist und bei Ebbe richtig schlammig werden kann, wurde mit, gefühlt, Millionen von Fischernetzen ausgestattet. Das Ergebnis ist eine umfassende und beeindruckende Fischer-Meerlandschaft. Nachdem wir ein bisschen an der Küste entlanggekraxelt waren, beschlossen wir, am nächsten Tag noch einmal wieder zu kommen, um uns den Sonnenaufgang anzuschauen. So machten wir uns zu Fuss auf den Heimweg. Auf der kleinen Halbinsel war nämlich weit und breit weder Taxi oder Rikscha zu sehen. Irgendwann hielt dann ein Auto neben uns an und nahm uns den restlichen Weg für knapp 3 Euro mit - Wir waren sehr dankbar dafür! :) Am nächsten Morgen stiegen wir früh mit steifen Knochen aus dem Bett und fuhren zur gleichen Stelle vom Vortag. Wir hatten uns vom Hotel ein Taxi bestellen lassen, welches allerdings einen Wucherpreis zum Strand beanschlagte. Da es aber erst kurz nach 5 Uhr war und die Straßen so gut wie leer waren, willigten wir irgendwann ein. Nützt ja nix! :D Zurück am Strand waren wir nicht die einzigen. Xiapu ist ein Fotolandschaft. Somit hatten sich noch ungefähr 30 andere Chinesen aus dem Bett gequält um mit uns den Sonnenaufgang zu fotografieren. Einige der Fotografen verfehlten dabei ihr Ziel und nahmen lieber uns ins Visier! :D Pünktlich kurz vor 6 Uhr ging dann die Sonne auf. Es war leider kein lupenreiner Sonnenaufgang und trotzdem war es atemberaubend mit welcher Farbintensität sich die Sonne im Meer spiegelte. Zudem waren die Fischer schon früh unterwegs und verschönerten nur noch jedes Foto. Ein Fischer kam auch dicht an die Fotomenge und schwenkte sein Netz hin und her, so als ob ihn jemand engagiert hatte. Als dann einer der Chinesen neben uns ihm zurief er solle doch noch einmal da und dort hin gehen und das Netz so und so halten, war uns klar, dass das ganze gestellt war. Ein bisschen entäuscht, aber mit wunderbaren Bildern verließen wir die Szene um im Hotel frühstücken zu gehen. Nach einem einem kleinen chinesischen Frühstück ging es dann auch weiter nach WuYiShan. Wir hatten genau das gesehen, was wir sehen wollten - die tollen Mudflats! Einfach nur beeindruckend! :)

Größenwahnisinnige Spowis

Nach einem kurzen Zwischenstop in Fuzhou ging es weiter in den ersten Nationalpark in WuYiShan. Vorab hatten wir richtige Probleme aus WuYiShan einen Zug zu unserem nächsten Stopp zu buchen, da die Stadt fast in Nirgendwo liegt. Am Ende ist es dann wieder einmal ein Nachtzug geworden, der uns weiter gebracht hat. WuYiShan entpuppte sich als typisch chinesische Kleinstadt. Mit dem Bus ging es in die Nähe unseres Hotels, welches sich als unfindbar herausstellte. Am Ende riefen wir die

Besitzerin an, die kein einziges Wort Englisch sprach, uns trotzdem irgendwie verstand und uns abholte. Nachdem wir kurz die Lage im Hotel abcheckten und froh waren hier nur eine Nacht schlafen zu müssen (es war echt dreckig), verließen wir das Hotel um den Nachmittag im Wuyi Moutain National Park zu verbringen. In das Areal sind wir erfreulicherweise wieder einmal als Studenten gekommen und mussten daher weniger bezahlen. Manchmal klappts - öfter nicht! :D

 

Der Nationalpark ist ein riesengroßes Areal, welches aus vielen kleinen versteckten Hotspots besteht. Da wir am ersten Tag nicht so viel Zeit hatten, wollten wir uns erstmal mit der Lage vertraut machen und entdeckten zufällig einen der tollsten Hotspots. Am Fluss, der sich durch die Berge schlängelte, hatte man eine tolle Sicht auf den Sonnenuntergang, den wir uns nicht entgehen ließen. Der park sollte 18 Uhr zu machen. Da sich aber noch einige Chinesen im Park aufhielten, machten wir uns keine großen Sorgen eingesperrt zu werden. Als es dann aber auf 19 Uhr zuging, machten wir uns auf den Rückweg, nur um mit Panik festzustellen, das erstens, keiner in unsere Richtung mitkam und zweitens alles dunkel war und das Frontgebäude menschleer war. So hetzten wir zum Ausgang um mit Erleichterung festzustellen, dass noch ein schmaler Ausgang für die letzten Trödeler vorgesehen war. :D Man...waren wir froh, nicht im Park ohne alles campen zu müssen! :D Abends fanden wir in einer belebten Straße eine Straßenrestaurant in dem man auch wilde Kinder essen konnte. Wir hoffen, dass es ein Übersetzungsfehler war! :D Andernfalls, an anderen Ständen wurden auch Igel, Hund??? und eine Spezialität, Maden, angeboten. Unsere Mägen warnten uns jedoch davor auch nur irgendetwas davon zu probieren.

 

Am nächsten Morgen wachten wir früh auf um den ganzen Tag im Nationalpark zu verbringen. So standen wir kurz nach 8 Uhr auf der Matte und erklommen unseren ersten Berg im Park. Allerdings hatten wir die Rechnung ohne die vielen Chinesen gemacht. Man man man, wo kommen die nur alle her! :D Wir haben ja nichts gegen die vielen Reisegruppen, aber warum muss man denn mit einem Mikro durch den Park rennen um seine Ansagen zu machen. Das zerstört die Ruhe und den Frieden des Parks. Hinzu kommen die Chinesen, die unbedingt ein Foto von uns ergattern wollen. Wir sind dies ja gewohnt. Aber auch wir mussten feststellen, dass wir nicht jeden ´Tag dazu bereit sind. Gerade, wenn man einen Berg besteigt, bei dem man sich auf sich selbst und seine Schritte konzentrieren muss. Ein Chinese war "relativ" penetrant und probierte es 3-4 Mal mich zu fotografieren. Nach meiner Abfuhr rannte er einfach wieder voraus um es noch einmal zu probieren. Ätzend... Aber andernfalls sind wir wahrscheinlich für viele Chinesen, die noch nie eine Stadt gesehen haben, ein riesiges Highlight und das Beste was ihnen in der Woche oder im Monat passiert. Unter dem Gesichtspunkt ist es dann schon wieder fast ertragbar. Oben angekommen, aklimatisierten wir uns kurz und waren dann auch bereit die halbstündige Fotosession über uns ergehen zu lassen. :D Denn wenn du einem den kleinen Finger gibst, reißen alle anderen bereits die ganze Hand ab! :D 

Danach wanderten wir zu einem Spot, der Himmelsfaden genannt wurde. Klaustrophobie darfst du hier nicht haben (wir mussten feststellen, dass wir beide eine leichte haben), denn alles was du siehst, ist eine kleine Spalte Himmel. Man ist zwischen zwei Bergklippen in einer 30-Zentimeter-Spalte eingeklemmt und sieht nur den Vorder-und Hintermann. Ganz oben sieht man den Himmel durch einen winzigen Spalt. Abenteuerlich und aber auch gefährlich. Bei den Massen, die jeden Tag da lang kriechen, brauch nur einer mal einen Panikanfall bekommen. Keine Ahnung wie dem geholfen werden soll...Wie ihr seht sind wir heile rausgekommen uns waren noch immer hungrig nach mehr Abenteuer - Spowis halt! :D 

 

Nach einer kurzen Mittagspause bestiegen wir unseren dritten Berg, dieses Mal fast alleine. Die Aussicht vom Königsberg war herrlich und man konnte die ganze Stadt sehen. Ab und zu fanden wir ein paar Trampelpfade, die wir erkundeten. Diese führten uns aber immer zu Abgründen, an denen man tolle Sichten hatte, aber auch nicht abgesichert waren. Zum Abschluss wollten wir noch den Wanderweg entlang des Flusses wandern. Laut Karte sah alles recht einfach aus. Leider war die Karte erstens nicht präzise genug, sodass wir uns stundenlang vom Fluss wegbewegten und zweitens hat uns keiner gesagt, dass wir noch zwei weitere Berge erklimmen mussten um auf dem Weg zu bleiben. Wir liefen also weiter mitten ins Niemandsland hinein und uns beiden wurde leicht mulmig zu Mute. Sicher hätten wir den Weg zurück gefunden, aber einfach umdrehen konnten wir nicht. Damit wäre es vertane Zeit gewesen. Unsere Wasserreserven gingen aber zu Neige und dunkel würde es auch in 1-2 Stunden werden. Mutig, die Panik verbergend, kämpften wir uns weiter und fanden immer wieder den richtigen Weg. Der Wanderweg war auf der Karte eingezeichnet, aber einfach unsichtbar fürs menschliche Auge, da keiner hier lang kam. Die Chinesen gehen halt nur die Top Spots ab und dementsprechend wird alles andere nicht gewartet. Es entpuppte sich als größenwahnissiniges Projekt, bei dem wir mehr als einmal umdrehen wollten. Lange Rede, kurzer Sinn, irgendwann zeigte unser Handy an, dass wir uns dem Fluss wieder näherten. Erleichtert kamen wir am Fluss an und ruhten uns die letzten Stunden an Ufer des Flusses aus. Richtig dankbar waren wir wieder so viele Menschen um uns herum zu haben. Hat halt auch was Positives! :D

 

Gegen Mitternacht nahmen wir dann den Nachtzug nach Nanchang, wo wir eigentlich um 5 ankommen sollten, ein bisschen herumlaufen und dann gegen 12 Uhr weiter nach Changsha fahren wollte. Nachdem der erste Eindruck von Nanchang aber alles andere als schön war, buchten wir unser Zugticket um und fuhren gleich weiter nach Changsha um dort erst einmal müde für ein paar Stunden ins Bett zu fallen. Am Nachmittag besuchten wir eine Park, der sich auf einer Insel im Fluss, östlich der Stadt, befand. Auf dieser befand sich eine riesige Mao-Statue, die von Weitem nicht zu übersehen war. Changsha ist zudem berühmt, die erste Stadt zu sein, in der man einen ersten militärischen Erfolg gegen die Japaner vorweisen konnte.

 

Abends wurde unser Aufenthalt in Changsha noch mit einem Feuerwerk belohnt, welches jeden Samstag dort stattfindet. Obwohl das nicht geplant war, nahmen wir es dankend an und nutzten die Zeit, ein bisschen über alles Geschehen zu reflektieren. Nach einer erneuten kurzen Nacht ging es nämlich dann nach Zhangjiajie, zu dem Avatar Bergen, auf die wir uns schon riesig freuten. Doch dazu mehr im nächsten Beitrag.