Der Drei-Wochen-Roadtrip

Kindergeburtstag in Shanghai

Lange ist es her, dass wir uns schriftlich gemeldet haben. Ihr wisst ja wie das ist – aus dem Chaos muss erstmal Ordnung gemacht werden. Mit etwas Abstand blicken wir nun auf unsere Reise quer durch China zurück. Sechs Provinzen haben wir bereist. Genau 24 Tage waren wir unterwegs. Über drei Tage saßen wir davon zusammengerechnet in Zügen und Bussen.

 

Nach einer etwas kurzen Nacht (eine Stunde Schlaf – wir waren so aufgeregt :D) ging es am 15. September los in Richtung Shanghai. Auf den ersten Stopp unseres Roadtrips freuten wir uns besonders, weil ich dort meinen 29. Geburtstag feiern konnte. :) Allerdings begrüßte uns Shanghai mit einer Menge Regen. Und ihr müsstet bereits wissen, was eine Menge Regen in China bedeutet…Yep, die Straßen waren überflutet! :D Das machte uns jedoch keinen Strich durch die Rechnung, da wir auf solche Wettereskapaden hier längst vorbereitet sind. Lediglich unsere Schuhauswahl ließ zu Wünschen übrig, da wir am Ende beide mit nassen Botten herumliefen und uns jeweils die Krankheit einfingen, die jeden Toilettengang zur Qual macht. :/

 

Wenn man in Shanghai ist, kommt man nicht um "den Bund" drumherum. Ehrlich gesagt, führt fast jeder Weg an der tollsten Skyline Chinas vorbei. In den drei Tagen, in denen wir im „westlichen“ Shanghai waren, haben wir uns nicht satt sehen können. Die Fotos sagen hier mehr als tausend Worte. Den ersten Abend ließen wir mit einem obligatorischen Hotpot-Essen und einem Besuch in einer Captain-Bar, mit Blick auf den Bund, ausklingen.

 

Ganz spießermäßig entschieden wir uns dafür meinen Geburtstag im Hotelraum einläuten zu lassen. Ein riesengroßes Dankeschön hierbei an alle, die  in schriftlicher und/oder auch gedanklicher Form an mich gedacht haben! :D Mein Geburtstag startete mit einem phänomenalen Geschenk von Tanja, von dem ihr in der Zukunft mehr zu sehen bekommt – ich sage nur GoPro!!!! :D Nach dem „must-have“ Frühstück im Bett ging es auf das zweitgrößte Gebäude der Welt, dem Shanghai-Tower. Oben angekommen, befanden wir uns im Himmel, umgeben von Wolken. Doch dann lichtete es sich und man hatte eine atemberaubende Sicht. Man waren wir hoch!! Der Shanghai-Tower gehört mit zur Skyline des Bunds und wird in 4 Jahren nur noch das fünftgrößte Gebäude der Welt sein… die Chinesen legen nach! :D Nachdem wir uns oben sattgesehen hatten, schlenderten wir durch die Straßen Shanghais mit keinem wirklichen Ziel. „Atmosphäre-Aufsaugmodus“ aktiviert! Tanja hatte zum Abschluss des Tages ein tolles Restaurant in der Nähe des Yuyuan Garten herausgesucht, in dem auch schon die Clintons gegessen haben sollen. (Notiz: Holy ****, was ist das denn für eine Clownsveranstaltung da drüben…?) Danach wollten wir eigentlich in eine schöne Bar am Bund, die sich allerdings als Schicki-Micki-Bar herausstellte, in die ich nie im Leben mit meinen nassen, halbzerfetzten Turnschuhen hineingekommen wäre. Somit ließen wir den Abend noch einmal in unserer Captain-Bar ausklingen.

 

Am letzten Tag in Shanghai wurde uns dann doch noch einmal strahlender Sonnenschein vergönnt. Der Yuyuan Garten im Herzen der Stadt war unser letztes Ziel für die kurze Zeit, die wir in Shanghai hatten. Hier wurde der Unterschied zu Peking nun deutlich sichtbar. Ausländer so weit das Auge reichte. Shanghai orientiert sich eindeutig mehr am Westen, was man nicht nur am Essen, sondern auch am Geldbeutel merkt. Die kleinen Obst- und Gemüsenläden, die es in Peking ÜBERALL gibt, sind hier schon fast ausgestorben.

 

Wir waren sehr von Shanghai beeindruckt, sind jedoch froh darüber, uns damals für Peking entschieden zu haben. Wenn man schon in China lebt, dann wenigstens so, dass man die volle Breitseite des Kulturshocks abbekommt! :D Am Abend ging es dann weiter nach Suzhou, welches uns als das chinesische Venedig beschrieben wurde. Wir waren gespannt! :)

Das Fake-Venedig von China  + Altertümlich ist Auslegungssache

Am Abend kamen wir dann in Suzhou an. Wir checkten in unser eher kleines Hotel ein, sahen die kleinen Handtücher und fragten an der Rezeption, ob es auch große Handtücher gäbe. Als Antwort bekamen wir weitere kleine Handtücher.

Merke: Kleines Hotel = kleine Handtücher! :D Wir machten uns noch etwas mit der Umgebung vertraut und gingen schlafen. Der nächste Tag sollte wieder von vielen Wegmeilen geprägt sein. Suzhou ist nicht nur durch seine Kanäle, sondern auch durch seine vielreichen Gärten bekannt und berühmt.

 

Gegen Mittag machten wir uns somit zu den ersten zwei Gärten auf. Verkehrsmittel mussten wir gar nicht erst benutzen, da alles in Reichweite lag – ungewöhnlich für uns! :D Die Gärten waren bezaubernd angelegt und schön gepflegt. Überall stieß man auf Lotus und Seerosen. Gern verirrten wir uns in den wie Irrgärten angelegten Gärten und tankten etwas Ruhe und Gelassenheit in Suzhous Gärtenlabyrinten. Am Nachmittag hatten wir noch etwas Zeit und entschieden uns noch ein weiteres Wahrzeichen Suzhous zu erkunden – Tiger Hill. Nach einer kurzen und doch prägenden Taxifahrt erreichten wir eine riesige Pagode, die man schon von weitem sehen konnte. Der Taxifahrer schien ein Interesse an unserer Herkunft zu haben und ließ es sich nicht nehmen unseren ehemaligen „großartigen“ Führer ins rechte positive Licht zu rücken. Mit etwas angewiderter Miene ließen wir ihn gewähren. Da Mao ihn mochte, kann man es schon fast verstehen, dass einige Chinesen immer noch so denken. Naja...

 

Tiger Hill ist eine wirklich große Pagode, die, wenn man aus nördlicher oder südlicher Richtung draufguckt, fast perfekt aussieht. Nähert man sich jedoch vom Osten oder Westen, erkennt man die zweite Pisastatue dieser Welt. Ach du grüne Neune…ist die schief! :D (Es scheint, dass Suzhou noch mehr mit Italien gemeinsam hat :D)

 

Nachdem wir die Pagode eingehend studiert hatten und wirklich sicher waren, dass sie nicht jeden Moment umfallen würde, liefen wir die ganze Strecke zurück in die Stadt. Dem Fluss folgend, wurden wir uns der Kluft zwischen Arm und Reich wieder einmal merklich bewusst. Viele Menschen leben an diesem Fluss ihr ganzes Leben. Bedauernswert betrachteten wir ihr armseeliges und doch anscheinend glückliches Leben und stellten ein weiteres Mal fest, wie gut wir es doch haben…

 

Zurück in der Innenstadt ließen wir uns noch einmal von der Menge treiben und ließen den Abend und unsere kurze Zeit in Suzhou am Fluss an der Pingjiang Straße schön ausklingen. Suzhou war nicht das Venedig, das wir uns erhofft hatten. Die wenigen Kanäle ließen noch nicht einmal eine Ähnlichkeit zu Lübben oder Lübenau erahnen. Und doch hatte Suzhou etwas. Es ist gemütlich, ruhig und lädt ein, etwas von dem Alltagsstress abzuwerfen. Die Gärten tragen dazu einen großen Teil bei, wenn da nicht die hohen Eintrittskosten wären. :D

 

Am darauffolgenden Tag ging es mit dem Bus weiter nach Zhouzhuang, einem altertümlichen Städtchen. Nach einer zweistündigen Busfahrt und einer kurzen Schiffsfahrt wurden wir am südlichsten Zipfel einer Halbinsel abgesetzt. Die alte Stadt Zhouzhuang lag vor uns, und doch hatte alles auf den ersten Blick wenig mit „altertümlich“ zu tun. Neue Apartments und Hotels erschienen vor unseren Augen, die allesamt leer standen und schon anfingen zu rosten und zu verfallen. Hier einmal vorweg genommen: Wir haben in unserer ganzen Zeit in China keine einzige Stadt gesehen, in der nicht neue Häuser, Hotels oder Hochhäuser gebaut werden. Das Problem, welches uns damals schon in Zhengzhou begegnete, ist überall gegenwärtig. Es wird gebaut und gebaut, nur weiß leider keiner für wen das ganze gebaut wird. Das Resultat: Betonruinen so weit das Auge reicht. Leider auch manchmal an wirklich tollen Plätzen, die dadurch an Reiz verlieren.

 

Nachdem wir den neuen Teil der altertümlichen Stadt hinter uns gelassen hatten, stießen wir dann doch endlich auf das uns beschriebene kleine Städtchen. Niedliche alte Häuser, voller wunderschöner Gassen und Kanäle, erstreckten sich vor uns. Wie leider überall wird der Tourismus auch hier GANZ groß geschrieben, sodass man keine Zeit bekommt sich alles in Ruhe anzuschauen, sondern eher gehetzt durch die Gassen rennt um dem „Hello, hello, looki, looki“ zu entgehen und nicht doch die nächste Bootstour aufgeschwatzt zu bekommen. :D In einem Tempel wurde uns gezeigt, wie man die Räucherstäbchen richtig anzündet und richtig betet. Am Ende stand dann der Mann mit der Frage da, wie viel man denn bezahlen würde. Wir kennen dieses Spiel schon und sind mit einem Lächeln auf den Lippen davongegangen. Wahrscheinlich sind wir jetzt verflucht! :D Bis auf die alten Gebäude, Pagoden und Tempel ist nicht viel von der Mentalität von damals geblieben. Schade drum.

 

Nach einer kurzen Planänderung ließen wir uns zurück nach Suzhou bringen. Dort angekommen hatten wir kurze aber gravierende Verständigungsprobleme: Ich hatte Zugbahnhof mit Busbahnhof verwechselt. :) Allerdings schafften wir unseren Zug noch rechtzeitig und verließen die Jiangsu Provinz in Richtung Süden. Hangzhou, in der sich die Kanzlerin erst vor Wochen aufgehalten hatte, sollte unser nächstes Ziel sein.

Die leuchtende Stadt bei Nacht

Nachdem wir in Hangzhou ankamen, machten wir uns mit der U-Bahn auf, zu unserem Hostel. Anbei sei bemerkt, dass die Infrastruktur in China wirklich gut ausgebaut ist. In jeder großen Stadt gibt es ein U-Bahn-Netz, welches in den nächsten Jahren noch weiter ausgebaut werden soll. Die Pläne für Shanghai, Peking, Chengdu und Kunming sind schon überall zu betrachten. Diesen Trend kann man nur begrüßen, wenn man die Luftverschmutzung draussen sieht, die ja auch aufgrund der vielen Autos ausgelöst wird. Hangzhou ist eine tolle Stadt, die gleich neben dem großenWestsee liegt. Der erste Eindruck gewann Hangzhou für uns. Überall das pure Leben, nette Menschen und einfach nur China. :D In Hangzhou hatte uns Tanja ein tolles Hostel besorgt, in dem wir für zwei Nächte bleiben wollten. Das Hostel war wirklich gemütlich; nur mit unserem Zimmer mussten wir uns etwas anpassen. Wir hatten ein Raum im Dachgeschoss, der alles bot, was man so braucht – Bett und Bad. Nur war leider alles in einem Raum verpackt. Das Bad war zwar dieses Mal nicht einsehbar, aber dafür nur mit einem Vorhang vom restlichen Raum getrennt! :D Wir nahmen es mit Humor

 

Am nächsten Tag machten, wir uns vormittags auf den Weg in Richtung des Tausend-Inseln-See. Mit einem Bus fuhren wir wieder einmal zwei Stunden und kamen gerade so rechtzeitig an, um noch eine der Touren mitzumachen. Wir hatten die eine Tour bereits verpasst, bei der man wilde Affen gesehen hätte. Ich war geknickt. Im Nachhinein haben wir aber an anderer Stelle mehr als genug wilde Affen gesehen. Mehr dazu später. Wir ergatterten eines der letzten Tickets für die Tour und gelangten an Bord, um wieder einmal wie fremdartige Tiere angestarrt zu werden. :D Um auf das zweite Deck zu gelangen, musste man extra noch einmal 5 Euro locker machen. Obwohl wir das absolut nicht gerecht fanden, ließen wir uns unsere gute Laune nicht verderben und zahlten. Der Tausend-Insel-See wurde vor Jahren künstlich angelegt und soll eines der klarsten Gewässen in China sein. Über tausend Inseln kann man erkunden, wenn auch nicht auf eigene Faust. Wie schon so oft, ist auch hier alles kontrolliert und man kann entweder ein privates Motorboot oder eine Tour buchen. Der See sieht fantastisch aus und man kann sogar darin tauchen gehen und zwei Unterwasser-Dörfer erkunden. Diese Erkenntnis besteht jedoch erst seit kurzem. Den Chinesen ist bei der Flutung des Sees damals nicht aufgefallen, dass sie zwei alte verlassene Dörfer mit geflutet haben. :D

 

Angekommen auf der ersten Insel, der Schlösserinsel, wurde uns eine Stunde zur Verfügung gegeben um die Hauptinsel mit den mehreren angrenzenden Inseln zu erkunden. Leider gestaltete sich diese Erkundung eher als Antrieb einer Viehherde. Die Chinesen gingen artig mit und wir suchten die erste Gelegenheit um uns alleine alles anzuschauen. Auf dieser Insel gab es überall Schlösserskulpturen. Viele Touristen hatten auch bereits kleine Schlösser überall abgebracht. Belustigt erkundeten wir die Inseln und fanden immer neue Schlösser. Nur die Schlüssel fanden wir nie! :D

 

Von dort sollte es weiter auf eine romatische Insel gehen. Auch hier kapselten wir uns recht früh von der Meute ab und erkundeten auf eigene Faust. Auf der Insel gab es einen Berg auf dem ein Tempel thronte. Den wollten wir unbedingt sehen. Rein zufällig folgte uns kein einziger Chinese. Hmm, dachten wir… Die haben bestimmt keine Lust, den Berg zu besteigen. Von oben hatten wir eine überragende Sicht auf den See und seine vielen Inseln. Leider hatten wir nicht so viel Zeit alles ein bisschen auf uns wirken zu lassen. Auf dem Weg nach unten, kam uns dann doch noch ein Chinese entgegen. Unten am Boot, wartete schon die ganze Besatzung auf uns, um abzulegen. Wir waren allerdings nicht die Letzten. Per Megafon wurde der letzte Chinese ausgerufen. Wir wussten allerdings, dass das nichts bringen würde, da der Gute seine Ohrstöpsel drin hatte und Musik hörte :D Das Boot legte also erfolglos ab, nur um dann wieder anzulegen, nachdem man eine männliche Gestalt hastig ans Ufer rennen sah! :D Irgendwie fanden es alle ganz lustig. :)

 

Danach war unser Ausflug auf dem Tausend-Insel-See auch schon wieder vorbei und wir machten uns auf den Heimweg nach Hangzhou. Als wir dort abends ankamen, waren wir so von den vielen Lichtern am Wasser überwältigt, dass wir uns spontan dazu entschlossen noch eine Westseerundfahrt bei Nacht zu machen. Eine gute halbe Stunde fuhren wir auf dem See hin und her und sahen die erleuchtete Stadt. Auf der anderen Seite des Sees bot sich uns ein beleuchteter Wald dar. Die Bewohner Hangzhous hatten dort solarbetriebene Lichter angebracht um den Wald bei nacht zu beleuchten. Es sah irre aus!!! :) Unser Abendbrot fanden wir auf einem Straßennachtmarkt, welcher jeden Abend geöffnet hat. Die Auswahl war enorm und wir konnten uns kaum sattsehen. Wir wären gern länger in Hangzhou geblieben. Unser Zeitplan sah jedoch anders aus, sodass wir am nächsten Tag Hangzhou verließen um an die Ostküste zu fahren. Ein wenig traurig waren wir schon, weil wir die Stadt Hangzhou schnell in unser Herz geschlossen hatten. Ein andermal vielleicht! :)

Im Osten nix neues :)

So ging es für uns zurück an die Ostküste nach Xiapu in ein kleines Fischerdorf, mit nur 200.000 Einwohnern. :D Unser Zug hatte zu der Zeit das erste Mal Verspätung, was fast nie in China passiert. Jedoch holte der Zug die verspätete Zeit wieder heraus und wir erreichten pünktlich Xiapu. In der Stadt angekommen, waren wir etwas empört über das Verhalten der Taxifahrer, die pertout nicht das Taxameter anmachen wollten. Wir lernten aber schnell, dass man uns nicht übers Ohr hauen wollte, sondern dass es sich einfach nicht lohnte, da die Wegstrecken sehr kurz waren. Wir checkten in ein sehr schönes Hotel ein und machten uns danach sofort zum Strand, bzw. zur Küste, auf. Ein kleines Gefährt, welches Ähnlichkeiten mit einer Rikscha hatte, brachte uns zur Küste. Dort angekommen, ließen wir eine der schönsten Landschaften Chinas auf uns wirken - die Mudflats. Eine kleine Meerenge, die von Insel umgeben ist und bei Ebbe schlammig wird, wurde mit "Millionen" von Fischernetzen ausgestattet. Das Ergebnis ist eine weitreichende und beeindruckende Fischer-Meerlandschaft. Nachdem wir ein bisschen an der Küste entlanggekraxelt waren, beschlossen wir, am nächsten Tag noch einmal wieder zu kommen, um uns den Sonnenaufgang anzuschauen. So machten wir uns zu Fuß auf den Heimweg. Auf der kleinen Halbinsel war nämlich weit und breit weder ein Taxi noch eine Rikscha zu sehen. Irgendwann hielt ein Auto neben uns an und nahm uns den restlichen Weg für knapp 3 Euro mit - wir waren sehr dankbar dafür! :) Am nächsten Morgen stiegen wir früh mit steifen Knochen aus dem Bett und fuhren zur gleichen Küstenstelle. Wir hatten uns vom Hotel ein Taxi bestellen lassen, welches allerdings einen Wucherpreis zum Strand beanschlagte. Da es aber erst kurz nach 5 Uhr morgens war und die Straßen so gut wie leer waren, willigten wir irgendwann ein. Nützt ja nix! :D Zurück am Strand waren wir nicht die einzigen. Xiapu ist ein Fotolandschaft. Somit hatten sich noch ungefähr 30 Chinesen aus dem Bett gequält um mit uns den Sonnenaufgang zu fotografieren. Einige der Fotografen verfehlten dabei ihr Ziel und nahmen lieber uns ins Visier! :D Pünktlich kurz vor 6 Uhr ging dann die Sonne auf. Es war leider kein lupenreiner Sonnenaufgang und trotzdem war es atemberaubend mit welcher Farbintensität sich die Sonne im Meer spiegelte. Zudem waren die Fischer schon früh unterwegs und verschönerten jedes Foto. Ein Fischer kam auch dicht an die Fotomenge heran und schwenkte sein Netz hin und her, so als ob ihn jemand engagiert hatte. Als dann einer der Chinesen neben uns ihm zurief er solle doch noch einmal an eine andere Stelle gehen und das Netz anders halten, war uns klar, dass das ganze gestellt war. Ein bisschen entäuscht, aber mit wunderbaren Bildern, verließen wir die Szene um im Hotel zu frühstücken. Nach einem kleinen chinesischen Frühstück ging es dann gleich weiter nach WuYiShan. Wir hatten genau das gesehen, was wir sehen wollten - die tollen Mudflats! Einfach nur beeindruckend! :)

Größenwahnisinnige Spowis

Nach einem kurzen Zwischenstop in Fuzhou ging es weiter in den ersten Nationalpark auf unserer Reiseroute - WuYiShan. Vorab hatten wir richtige Probleme aus WuYiShan einen Zug zu unserem anschließenden Stopp zu buchen, da die Stadt fast im Nirgendwo liegt. Am Ende ist es dann wieder einmal ein Nachtzug geworden. WuYiShan entpuppte sich als typisch chinesische Kleinstadt. Mit dem Bus ging es in die Nähe unseres Hotels, welches sich als unauffindbar herausstellte. Am Ende riefen wir die

Besitzerin an, die kein einziges Wort Englisch sprach, uns trotzdem irgendwie verstand und uns abholte. Nachdem wir kurz unser Zimmer im Hotel abcheckten und froh waren hier nur eine Nacht schlafen zu müssen (es war echt dreckig), verließen wir das Hotel um den Nachmittag im Wuyi Mountain National Park zu verbringen. In das Areal sind wir erfreulicherweise wieder einmal als Studenten hereingekommen. Manchmal klappt's - öfter nicht! :D

 

Der Nationalpark ist ein riesengroßes Areal, welches aus vielen kleinen versteckten Hotspots besteht. Da wir am ersten Tag nicht so viel Zeit hatten, wollten wir uns erst einmal mit der Lage vertraut machen und entdeckten zufällig einen der tollsten Aussichtspunkte. Am Fluss, der sich durch die Berge schlängelte, hatte man eine tolle Sicht auf den Sonnenuntergang, den wir uns nicht entgehen ließen. Der Park sollte um 18 Uhr zu machen. Da jedoch noch einige Chinesen entspannt herumliefen, machten wir uns keine großen Sorgen eingesperrt zu werden. Als es dann aber auf 19 Uhr zuging, machten wir uns schleunig auf den Rückweg, nur um mit Panik festzustellen, dass erstens keiner in unsere Richtung mitkam, zweitens alles dunkel war und drittens das Frontgebäude menschenleer war. So hetzten wir zum Ausgang um mit Erleichterung festzustellen, dass noch ein schmaler Ausgang für die letzten Trödeler vorgesehen war. :D Man... waren wir froh, nicht im Park ohne alles campen zu müssen! :D Abends fanden wir in einer belebten Straße ein Straßenrestaurant, in dem man auch "wilde Kinder" essen konnte. Wir hoffen, dass es ein Übersetzungsfehler war! :D An anderen Ständen wurden uns auch Igel, Hund??? und eine Spezialität - Maden - angeboten. Unsere Mägen warnten uns jedoch davor auch nur irgendetwas davon zu probieren.

 

Am nächsten Morgen wachten wir früh auf um den ganzen Tag im Nationalpark zu verbringen. So standen wir kurz nach 8 Uhr auf der Matte und erklommen unseren ersten Berg. Allerdings hatten wir die Rechnung ohne die vielen Chinesen gemacht. Man man man, wo kommen die nur alle her! :D Wir haben nichts gegen die vielen Reisegruppen, aber warum muss man denn mit einem Megafon durch den Park rennen um seine Ansagen zu machen. Das störte die Ruhe und den Frieden des Parks. Hinzu kamen die Chinesen, die unbedingt ein Foto von uns ergattern wollten. Wir sind dies mittlerweile gezwungener Maßen gewohnt. Aber wir mussten feststellen, dass wir nicht jeden Tag dazu bereit sind - vor allem wenn man einen Berg besteigt, bei dem man sich auf seine Schritte konzentrieren muss. Ein Chinese war ziemlich penetrant und probierte es 3-4 Mal mich zu fotografieren. Nach meiner Abfuhr rannte er einfach wieder ein Stückchen voraus um es ein weiteres Mal zu probieren... Oben angekommen, aklimatisierten wir uns kurz und waren dann auch bereit dafür, die halbstündige Fotosession über uns ergehen zu lassen. :D Reicht man den kleinen Finger, wird einem gleich die ganze Hand abgerissen! :D 

Danach wanderten wir zu einem Spot, der Himmelsfaden genannt wurde. Klaustrophobie darfst du hier nicht haben (wir mussten feststellen, dass wir beide eine leichte haben). Man ist zwischen zwei Bergklippen in einer 30-Zentimeter-Spalte eingeklemmt und sieht nur den Vorder- und Hintermann. Wenn man nach oben guckt, sieht man den Himmel durch einen winzigen Spalt. Abenteuerlich und aber auch gefährlich. Bei den Massen, die jeden Tag hier lang kriechen, brauch nur einer einen Panikanfall bekommen. Keine Ahnung, wie dem geholfen werden soll... Wie ihr seht sind wir heile herausgekommen und waren noch immer hungrig auf mehr Abenteuer - Spowis halt! :D 

 

Nach einer kurzen Mittagspause bestiegen wir unseren dritten Berg, dieses Mal fast alleine. Die Aussicht vom Königsberg war herrlich und man konnte die ganze Stadt sehen. Ab und zu fanden wir ein paar Trampelpfade, die wir erkundeten. Diese führten uns immer wieder zu Abgründen, an denen man tolle Sichten hatte, die aber nicht abgesichert waren. Zum Abschluss wollten wir den Weg entlang des Flusses wandern. Laut Karte sah alles recht einfach aus. Leider war die Karte jedoch erstens nicht präzise genug, sodass wir uns stundenlang vom Fluss wegbewegten, und zweitens hat uns keiner gesagt, dass wir noch zwei weitere Berge erklimmen mussten um auf dem Weg zu bleiben. Wir liefen also mitten ins Niemandsland hinein und uns beiden wurde nach ca. 1.5 Stunden leicht mulmig zu Mute. Sicher hätten wir den Weg zurück gefunden, aber einfach umdrehen wäre vergeudete Zeit gewesen. Unsere Wasserreserven gingen zusätzlich zur Neige und die Sonne ging in 1-2 Stunden unter. Mutig, die aufkommende Panik verbergend, kämpften wir uns weiter und fanden immer wieder den richtigen Weg auf der Karte. Der Wanderweg war zwar auf der Karte eingezeichnet, aber zum Teil unsichtbar fürs menschliche Auge, da hier lange keiner entlang lief. Die meisten Besucher gehen nur die Top Spots ab und dementsprechend verwuchtet alles andere. Es entpuppte sich als herausforderndes Projekt, bei dem wir mehr als einmal umdrehen wollten. Lange Rede, kurzer Sinn: Irgendwann zeigte unser Handy an, dass wir uns dem Fluss wieder näherten. Erleichtert kamen wir am Fluss an und ruhten uns die letzten Stunden am Ufer aus. In diesem Moment genossen wir die ganzen Menschenmassen um uns herum. Es kann halt auch was Positives haben! :D

 

Gegen Mitternacht nahmen wir den Nachtzug nach Nanchang, wo wir eigentlich um 5 Uhr morgens ankommen sollten, ein bisschen herumlaufen und dann gegen 12 Uhr weiter nach Changsha fahren wollten. Nachdem der erste Eindruck von Nanchang aber alles andere als schön war, buchten wir unser Zugticket um und fuhren gleich weiter nach Changsha um dort erst einmal müde für ein paar Stunden ins Bett zu fallen. Am Nachmittag besuchten wir einen Park, der sich auf einer Insel inmitten eines Flusses östlich der Stadt befand. Auf dieser befand sich eine riesige Mao-Statue, die von Weitem nicht zu übersehen war. Changsha ist zudem berühmt, die erste Stadt zu sein, in der man einen militärischen Erfolg gegen die Japaner vorweisen konnte.

 

Abends wurde unser Aufenthalt in Changsha noch mit einem Feuerwerk belohnt, welches jeden Samstag stattfindet. Obwohl das nicht geplant war, nahmen wir es dankend an und nutzten die Zeit, alles Erlebte Revue passieren zu lassen. Nach einer erneuten kurzen Nacht ging es nach Zhangjiajie, zu den Avatar-Bergen, auf die wir uns schon riesig freuten. Doch dazu gibt es mehr im nächsten Beitrag.

Affentheater

Jeder, der den Film „Avatar“ kennt, war auch schon einmal in China, in Zhangjiajie – zumindest im Drei-Dimensionalen. Die schöne Berglandschaft und den heiligen Hallelujah-Berg, den man in diesem Film sehen konnte, haben wir in echt und in 4D gesehen. Mit einem der ersten Züge wollten wir von Changsha zu diesem heiligen Ort fahren. Um drei Uhr quälten wir uns aus dem Bett, nur um zu erfahren, dass unser Zug eine Stunde Verspätung hatte…läuft ja! :D

 

Glücklicherweise konnten wir im Zug noch ein wenig schlafen. Leider wurden wir jedoch viel zu früh von einem Mann geweckt, der meinte, um 6 Uhr früh mit einem Mikro in unserem Abteil eine Geschichte erzählen zu müssen. Man, hatten wir Kopfschmerzen von dem Quatschkopf. Eine geschlagene Stunde später bot er allen Tee zum Verkauf an. Anscheinend war seine Geschichte irgendeine alte Teegeschichte und zufällig hatte er diesen „uralten" Tee dabei. Zufälle gibt’s! :D Einer der Fahrgäste wagte sich vor um an dem Tee zu riechen. Trotzdem er nicht glücklich, sondern eher angewidert wirkte, kaufte er trotzdem eine Teepackung für umgerechnet 14 Euro. :) In Zhangjiajie mussten wir dann noch eine knappe Stunde mit dem Bus weiterfahren um in eine kleine Stadt am Rande des Nationalparks zu kommen. Wir hatten es geschafft! :) Im Hotel erwartete uns internationales Flair – eine englisch-sprechende Managerin, internationales Essen und eine DVD-Film-Kollektion, die uns zwei Tage später das Leben retten sollte. Ohne Umschweife ging es danach sofort in den Park. Wir hatten uns für den Nachmittag eine Route ausgesucht, die eigentlich sechs bis sieben Stunden dauern sollte. Getrieben von einer inneren Unruhe (wir wollten nicht schon wieder in einem Nationalpark fast eingesperrt werden) schafften wir die Strecke in vier Stunden und waren am Ende echt kaputt. Hunderte von Stufen stiegen wir an diesem Tag hoch und herunter. Am Ende hatten wir den Berg Tianzi bestiegen und einen Teil der mystischen Avatar-Lanschaft von oben gesehen. Trotz erhöhter Luftverschmutzung und den damit einhergehenden dunstigen Schleiern, hatten wir atemberaubende Aussichten. Irgendwie ließ es das ganze noch geheimnisvoller wirken. Nebenbei sei erwähnt, dass man fast überall am Wegesrand Mandarinen, Gurken und anderes kaufen und verzehren konnte. Die Mandarinen waren aber dabei nicht unbedingt für Menschen gedacht. Sobald man nämlich ein Netz gekauft hatte, konnte man sich sicher sein, gleich einen Affen zu sehen. Das wollten wir beim Abstieg unbedingt ausprobieren und hatten prompt eine Horde Affen um uns herum, die uns die Mandarinen aus der Hand nahmen und vor unseren großen Augen in sich hineinschlungen. Goldig!

 

Am nächsten Tag wachte ich mit einem leichten Schnupfen auf, den ich vielleicht etwas ernster hätte nehmen sollen. Hätte hätte Fahrradkette. Wir hatten an diesem Tag die längste Route geplant, also musste ich die Zähne zusammenbeißen. Wir wählten dieses Mal einen anderen Aufstieg, der etwas abgeschiedener lag, aber leider eine weniger tolle Aussicht bot. Dafür waren unsere Äffchen wieder mit von der Partie. An dieser Stelle möchte ich mir einen Fehler eingestehen, den ich nicht noch einmal machen werde. Affen füttern ist einfach eine dumme Idee. :D Nachdem ich einen Affen zu Kaffee und Keksen einlud (Cookies), hatten wir danach eine ganze Affenhorde um uns herum, die uns erstens die Cookies stahl, zweitens Tanjas Wasserflasche umwarf und in einem Bach versenkte und drittens plötzlich unglaublich verrückt spielten, als sie bemerkten, dass sich ein fremder Affe unter die Bande gemischt hatte. Mit einer aufbauenden Panik verließen wir den Tatort, um nur noch zu sehen, wie der Eindringling von der ganzen Horde fast zu Tode gebissen wurde. Zivilcourage war hier leider nicht mehr angesagt. Auf unserem Weg nach oben sahen wir auch an diesem Tag wieder unzählige Sänften und ihre Besitzer, die nur auf faule Besatzungsmitglieder warteten. Trotz meiner sarkastischen Schreibweise war es schon beeindruckend zu sehen, wie diese kleinen drahtigen Männer ihre zum Teil schweren Lasten diese Steigung hinaufwuchteten. Da musste ich doch glatt an meinen kleinen Opa denken, der auch von drahtiger Natur ist. Wieder oben angekommen, machten wir uns ein wenig mehr mit der Umgebung vertraut. Dafür war am vergangenen Tag leider keine Zeit gewesen. Zu unserem Entsetzen mussten wir feststellen, dass es oben auf dem Berg in luftiger Höhe doch wirklich ein Mc Donalds gab, der die Menschen dort mit „ausgewogener Nahrung“ betreute. Uääärks. :D

 

Von oben konnte man dann verschiedene Busse nehmen um zu weiteren Hotspots zu fahren. Dabei mussten wir wieder einmal feststellen, dass man an den sogenannten Hotspots wenig Freude findet, da sich zu viele Menschen dort aufhalten, um das perfekte Foto zu schießen. Allerdings sind die Plätze, denen keiner Beachtung schenkt, weil sie nicht „speziell" genug sind, umso toller und beeindruckender. Mehr als einmal entdeckten Tanja und ich Plätze, wo sich kein Mensch befand und uns trotzdem eine Kulisse erwartete, die der Hammer war. Darüber hinaus sind auch wir in den Genuss gekommen, den Hallelujah-Berg zu sehen. Zwar war es an diesem Tag wieder etwas neblig – das störte uns aber absolut nicht. Nach unzähligen Beweisfotos ging es dann wieder an den Abstieg, der dieses Mal ewig dauerte und uns am Golden Peak, einem goldenen Fluss herausbrachte. Das Wasser hier war sehr klar und spiegelte die Farbe des Gesteins wieder, welches einen leichten Ockerton besaß – Gold halt! :D Ocker Peak klingt aber auch echt sch****. :D Am goldenen Ocker Peak machten wir uns dann auf den Heimweg zum Hotel. Abends wusste ich dann, dass ich es übertrieben hatte. Der Schnupfen war zu einer Qual geworden und das Fieber verhieß auch nichts Gutes für den nächsten Tag. Somit hingen wir unsere Pläne für den kommenden Tag an den Nagel und machten es uns im Hotel bei DVDs und Milchtee bequem. (Ach ja, mein Gott – wir lieben chinesischen Milchtee).

 

Dankbar, dass ich auf meinen Körper gehört hatte (wenn auch etwas spät) konnten wir dann am letzten Tag bei bester Sicht noch einmal die Berge hochsteigen. Wir wollten noch einmal auf den Tianzi und unsere lauschigen Plätzchen bei toller Sicht entdecken. Wieder einmal nahmen wir eine andere Route hinauf – die Seilbahn. Tanja bewies mir hier wieder einmal, dass sie einfach nicht für die Höhe gemacht ist. Meine Witze über die Höhe wurden irgendwie überhört, ignoriert oder mit einem bösen Blick erwidert! :D Hab's ja schon kapiert! :D Oben angekommen, fand dann aber auch Tanja ihren Humor wieder. Bei bester Sicht wanderten wir für ein paar Stunden umher um nochmal eine andere Sichtweise auf die Avatar-Berge zu bekommen. Wenn uns jemand fragen würde, welche Sicht wir schöner fanden, würden wir beide wahrscheinlich die mit Nebelsmog sagen. Die Mystik der Berge und der Nebel, der fast jedes Wort verschluckte, waren echt beeindruckend. Wieder unten angekommen, guckten wir uns als letztes eine weitere Besonderheit des Zhangjiajie National Parks an. Inmitten unglaublich unberührter Natur haben die Chinesen doch wirklich einen Fahrstuhl in einen Berg hineingebaut. Man kann davon halten, was man will, aber die Idee und die Umsetzung verdient schon ein Lob. :)

 

Sichtlich erschöpft von den vier Tagen setzen wir uns abends in den Zug nach Huaihua, wo uns nur ein kleiner Zwischenstopp erwarten sollte. Denn mehr als Abendbrot (Ente mit Bambusstreifen) und einem chinesischen Frühstück  standen hier nicht auf dem Plan. Also wieder ab in den Zug, in dem unsere bisher längste Zugfahrt anstand – 13 Stunden. Chengdu, wir kommen!

Großer B(r)uddha + Hoch über den Wolken

Auch Chengdu musste sich erstmal hinten anstellen. Die Pandas aus Chengdu hatten wir uns bis ganz zum Schluss aufgehoben. Nach einer Nacht in Chengdu ging es wieder einmal weiter mit dem Bus nach Leshan. Zugfahrten konnte man ab diesem Punkt vergessen. Wir näherten uns der Nationalen Woche im Oktober, in der jeder, WIRKLICH JEDER, in China reist. Wenn plötzlich 1,4 Milliarden Leute auf die Idee kommen zu reisen, ergibt das eine infrastrukturelle und unterkunftsbezogene Katastrophe. Doch dazu später mehr. Noch war die Woche nicht angebrochen.

 

In Leshan wollten wir uns eine Attraktion angucken, von der wir schon ganz früh während unseres Aufenthalts in China gehört hatten – die große Leshan-Buddha-Statue. In Leshan erwarteten uns überall nette freundliche Leute – erster Eindruck. Top! Zwei chinesische Englisch-Studentinnen, die in unserem Hotel arbeiteten, halfen uns den richtigen Bus in Richtung der Statue zu bekommen. Die Buddha-Statue befand sich direkt am Wasser in einem Park. Sie ist über 90 Jahre lang gemeißelt worden. Dabei sind die Finger der 71 Meter großen Statue circa acht Meter lang. Wir hatten unseren Spaß mit dem Beschützer des Flusses und auch im Park konnte man herrlich entspannen und umherstromern. Nach unserem kurzen Abstecher in Leshan und seiner Buddha-Statue brach nun auch schon unsere letzte Woche an.

 

Zum Abschluss unseres Roadtrips hatten wir uns eine Besonderheit aufgehoben, auf die wir uns beide am meisten gefreut hatten. Vorab haben wir uns über die abgeschiedensten Plätze in Chinas umgehört und sind auf den Yading National Park im Himalaya Vorgebirge gestoßen. Klingt erstmal echt abgelegen und faszinierend… Haken an der Sache waren allerdings die fast 5000 Höhenmeter. Keiner von uns beiden ist bisher so hoch über dem Meeresspiegel gewesen. Somit mussten eventuelle Vorkehrungen gegen die Höhenkrankheit getroffen werden. Zum einen kaufte Tanja uns tibetanische Tabletten, zum anderen gingen wir den Aufstieg langsam an. Wir hätten auch einfach auf die 4500 Meter hoch fliegen können, wollten dies aber aus beschriebenen Gründen nicht. Somit blieb uns nicht anderes übrig als eine lange Bustour in Kauf zu nehmen. Erster Zwischenstopp sollte Kangding auf 2500 Metern Höhe sein. Der Bus sollte von Leshan sieben Stunden brauchen und darauf stellten wir uns auch ein. Worauf sich keiner von uns eingestellt hatte, war der Umstand, dass auch Tausende von Chinesen in die gleiche Richtung wollten wie wir... und auch noch zur gleichen Zeit…:D Oh my God!!!! Die nationale Woche ist crazy! Da es nur eine Straße in die Berge gab, die ab und zu nur einspurig zu befahren war, dauerte unsere Reise nach Kangding nicht sieben, sondern 16 Stunden. (Anbei sei bemerkt, dass wir mal behauptet hatten, die schlimmste Busfahrt schon hinter uns zu haben…..WEIT GEFEHLT!!!) Zwischenzeitlich hielt der Bus für Stunden an und Bemerkungen wurden laut, dass es heute nicht mehr weitergehen würde. (WAAAAAAAAAAS???) Die Chinesen nahmen es gelassen, machten hier und da ein Feuer am Wegesrand (Seid ihr eigentlich b....?) und schmissen ihren Müll überall (wirklich ÜBERALL) hin. Unsere Laune verdunkelte sich bei dem Anblick zusehends. Grund des Staus waren die ungeduldig im Stau gefangenen Autos. Jedes Mal wenn es auch nur ein wenig weiter ging, fingen alle plötzlich an wie wild die Gegenfahrbahn als Überholspur zu nutzen. Nur um damit weiter vorn wieder ein Stau auszulösen, da einem Autos entgegenkamen. Dummheit möchte ich eigentlich niemandem unterstellen…aber hey! :D

 

Neun Stunden zu spät kamen wir in unserem Hostel an, welches von Chris, einem Amerikaner, betrieben wurde. Dieser hatte bereits seinen Schlafplatz neben dem Telefon aufgebaut, da wir erst um 2 Uhr morgens aufschlugen. Es stellte sich allerdings heraus, dass er noch auf mehrere Leute wartete und wir nicht die letzten waren. Die anderen waren nicht so „glücklich“ wie wir, denn sie brauchten ganze 24 Stunden um in Kangding anzukommen (HORROR). Nach einem warmen Cider aufs Haus, den wir unbedingt nötig hatten, gingen wir dann endlich schlafen. Den nächsten Tag wollten wir noch in Kangding verweilen um uns an die Höhe zu gewöhnen. Das war auch bitter nötig, da nun Tanja ihre Auszeit brauchte. Leichte Anzeichen der Höhenkrankheit machten sich bemerkbar. Sie wurden vom Besitzer bestätigt und sahen die Einnahme der Tabletten vor. Wir hatten zwar die Hostels in Yading und auch den Rückflug schon gebucht, jedoch hätten wir unsere Reise jederzeit abgebrochen, wenn es schlimmer geworden wäre. Zum Glück ist dies nicht geschehen. Tanja war am nächsten Tag wieder topfit. Ich verbrachte den Tag mit einem österreichischen Paar in den Bergen in Kangding und musste mit Erstaunen feststellen, wie schwer es doch ist, einen Schritt in den Bergen auf dieser Höhe zu machen. Jeder Schritt bergauf war eine absolute Qual für die Lunge. Und wir waren erst bei 2500 Metern. Na das konnte ja noch was werden! :D Auch Tanja lernte Anna und Jacob später noch besser kennen und wir verstanden uns auf Anhieb. Leider sollten sich unsere Wege schon am nächsten Tag wieder trennen. Jedoch schworen wir uns die beiden irgendwann in Wien zu besuchen. Was der Umstand „zusammen in einem fremden Land zu sein“ so ausmachen kann! :) Abends lief ich alleine die Straßen ab um unseren Notproviant aufzustocken. Am nächsten Tag sollte es nämlich mit dem Bus wieder weiter gehen und so eine Busfahrt wollten wir nicht noch einmal erleben.

 

Der Bus am darauffolgenden Tag brauchte auch zwei Stunden länger als geplant, was jedoch bei sieben oder neun Stunden nun keinen Unterschied groß machte! :D Zwischendurch hielten wir an einem kleinen Rastplatz an, auf dem getrocknetes Jakfleisch verkauft wurde. Wir überwunden unsere Scheu und wurden mit einer seltenen Köstlichkeit belohnt. Echt lecker kann ich euch sagen. Nach neun Stunden kamen wir in der höchstgelegenen Stadt der Welt (über 4000 Meter) an – Litang. Im Bus lernten wir ein junges tschechisches Bergsteigerpaar (Nicole und Stanley) kennen, die etwas jünger waren als wir. Zufälligerweise waren die beiden auch nach Yading unterwegs. Somit teilten wir uns einen kleinen Autobus zu viert und fuhren sofort weiter nach Daochang. Dort wollten wir nur eine Nacht verbringen um dann am nächsten Morgen in den Nationalpark zu starten. Das war eine Fahrerei sage ich euch…. :D Zum Sonnenuntergang kamen wir in Daochang an und checkten in unser Hostel ein (Die Tschechen hatten nichts gebucht und zelteten im Flur vor der Toilette – nationale Woche eben). Ganz zu unserem Entsetzen meinte der Besitzer, dass es keine Tickets mehr für den Nationalpark am nächsten Tag geben würde. Und dabei hatten wir extra vorher gefragt, ob man die Tickets vorbuchen soll. In China ist das alles jedoch kein Problem. Wir wahrten sein Gesicht und fragten mit zuckersüßer Stimme, ob es nicht eine Lösung geben würde – Es gab eine! :D Er kannte jemanden am Ticketschalter, der uns noch Tickets besorgen konnte. Somit war auch dieser Teil der Reise gerettet. Wieder einmal knapp an der Katastrophe vorbeigeratscht. :D

 

Wunderschöne Weiten + Putzige Pandas

Das Ausmaß der Nationalen Woche sollten wir dann aber erst in Yading zu spüren bekommen. Wir machten uns um 6.00 Uhr früh aus Daochang auf den Weg in den Nationalpark. Früh aufstehen war angesagt, um die Massen zu umgehen. Trotzdem wir den frühesten Minibus nahmen, wurden wir am Eingang des Nationalparks von Tausenden Chinesen begrüßt. Viele davon sahen wie Touris aus, die nicht unbedingt die Natur erforschen wollten, sondern für ein tolles Selfie dort waren. :D Vor lauter Menschen sah man weder den Beginn noch das Ende der Schlange. Uns blieb also nichts anderes übrig als uns aufzuteilen. Während ich mich mit Nicole in die Menge schmiss, versuchten Tanja und Stanley unsere Tickets zu besorgen. Nach 3-Stunden-langem Gedränge hatten wir es dann geschafft und konnten unsere Tickets vorweisen. Das Anstehen verlief dabei nicht in Ruhe und Gelassenheit. Mehrere Leute verhielten sich wie beim Sommerschlussverkauf. Es wurde gedrängelt, gedrückt und gepöbelt. Ich hatte zum Glück einen großen Rucksack auf dem Rücken und einen kleinen vorne, sodass ich mir nicht viel aus allem machte. Aber verstanden habe ich es nicht. Am Ende waren wir alle vier sichtlich gereizt und ziemlich erschöpft.

 

Nach der Ticketkontrolle trennten sich unsere Wege dann. Nicole und Stanley wollten in Yading wandern und über sieben Tage campen. Wir hingegen hatten ein teures Hostel erstanden (die Nationale Woche ist crazy), in dem wir für zwei Tage unterkamen. Mit einem clever ausgeklügelten Bussystem ging es dann weiter hinein in den Nationalpark. Die Busse fuhren alle paar Minuten zwischen dem Nationalpark Yading und dem Ticketoffice hin und her. Wir befanden uns mittlerweile wieder auf 4000 Metern Höhe. In unserem Hostel waren wir etwas empört, wie man für so einen (räusper, räusper) Drecksloch so viel Geld verlangen konnte, wollten uns aber nicht die schönen Tage, die uns bevor standen, vermiesen lassen. In den Bergen herrschten zwischenzeitlich Temperaturen zwischen 25 und 5 Grad. Tagsüber wurde es schnell warm und man musste einem Sonnenbrand vorbeugen. Abends wurde es schnell kalt und man fror schnell. Gott sei dank hatten wir Heizdecken in unseren Betten. Blöd nur, wenn an einem Abend mehrfach Stromausfall ist. :D Im Yading Nationalpark kann man sich viele tolle Orte anschauen – angefangen vom Perlensee, schneebedeckten Bergen, Weideland und einer Tour, die auf 4800 Meter Höhe führt und die Sicht auf zwei atemberaubende Seen ermöglicht – den Milchsee und den Fünf-Farben-See.

 

Am Tag der Anreise wollten wir noch einen Blick auf den Perlensee und die schneebedeckten Berge erhaschen. Unserem Enthusiasmus wich schnell absolute Erschöpftheit. In 4000 Metern Höhe war jeder Schritt bergauf ein Problem. Wir mussten Pausen einlegen, was aber kein Problem war, da wir ja Zeit hatten. Nach einer Stunde hatten wir den Perlensee mit einem tollen Panorama erreicht. Der Perlensee ist nur im Frühling und Frühsommer ein See, wenn der Schnee anfängt zu schmelzen. In der Zeit, in der wir da waren, erstreckte sich vor unseren Augen ein weites Tal, voller weißer Kalksteine. Im Hintergund thronten die erfurchtserregenden Schneeberge. Es war fantastisch. Da wir wieder einmal fast die einzigen Ausländer waren, wurden wir ein weiteres Mal Opfer einer Fotosession. Wir willigten fast bei allen ein und erfreuten uns auch über die ein oder anderen kurzen, gebrochenen, englischen Konservationen. Tanja wurde von einer Chinesin so angehimmelt, dass sie nach dem Foto gefragt wurde, ob sie ihr einen Kuss geben dürfe. Sichtlich irritiert verwies Tanja auf ihre Wange, auf der daraufhin auch gleich mehrere Küsse landeten. :D

 

Am nächsten Tag zwangen wir unsere müden Kadaver früh aus dem Bett, da an diesem Tag die weite Wanderung zu den beiden Bergseen auf der Tagesplanung stand. Wir waren an dem Tag insgesamt 7-8 Stunden unterwegs und haben so viele beeindruckende Farben gesehen – das Türkis des Bergflusses, das Weiß der Schneeberge, die verschiedenen Blautöne des Himmels und der Bergseen, das Grau der Berge, das Gelb der Felder und das Grün des Weidelands. Dieser Trip wird für immer in unserem Gedächtnis bleiben. Wir kamen einfach aus dem Staunen nicht heraus. Auf dem Weideland begann dann der eigentliche Aufstieg. Hier konnte man auch Pferde mieten, die einen nach oben gebracht hätten. Wir sahen aber keinen, der dieses Angebot annahm. Umgekehrt, sahen wir viele, die sich vom Berg herunterkutschieren ließen. :D Trotz der Höhe brauchten wir nicht all zu lange nach oben zu den Bergseen. Anscheinend hatten wir uns schon ein bisschen an die Höhe gewöhnt oder es war meine drängelnde Art. :D Unterwegs sahen wir viele Chinesen mit Beatmungsgeräten. Man konnte vorort Sauerstoffflaschen und -kissen erwerben und gefühlt hatte jeder das eine oder andere dabei. Oben angekommen setzte leichter Regen bzw. Hagel ein. Die letzten paar Meter absolvierten wir nur mit Mühe. Aber es hat sich gelohnt. Die beiden Bergseen waren einfach nur fantastisch. Der Fünf-Farben-See erstrahlte nur so in seinen verschiedenen Blautönen und im Milchsee wollte man am liebsten baden. Aufgrund der Kälte war dies aber nicht möglich. Wir waren oben zwar nicht allein, sondern wieder unter hunderten von Menschen, trotzdem machte sich eine andächtige Ruhe in 4800 Metern Höhe breit. Wahrscheinlich waren wir aber auch alle so fertig, dass keiner mehr was sagen konnte. :D

 

Kurz darauf machten wir uns auf, den Abstieg anzugehen. Tanja bekam unterdessen ziemlich dicke Finger, was wir als erneutes Anzeichen der Höhenkrankheit interpretierten. Einen Tag später war dieses Anzeichen aber auch wieder verschwunden. Zum Abschluss des Tages ließen wir uns in Cablecars nach unten fahren und schliefen erschöpft im Hostel ein. Am letzten Tag hatten wir atemberaubendes Wetter und Sonne satt. Wir zelebrierten dies mit einer ausgiebigen Fotosession und einem kurzen Fußbad im eiskalten türkisen Bergfluss. Nachmittags gingen wir dann zurück zum Hostel, nahmen unsere Rucksäcke entgegen und fuhren zurück zum Ticketoffice des Nationalparks. Ein wenig wehmütig verließen wir den Ort, der uns so viel abverlangt und trotzdem innere Ruhe gespendet hatte. Einfach nur toll! Am Ausgang verhandelten wir eine Fahrt zurück nach Daochang. Wir setzten uns ins Auto und warteten auf weitere Mitfahrer, die „gleich“ kommen sollten. Als nach 1 ½ Stunden weder weitere Mitfahrer noch der Fahrer zu sehen waren, kletterten wir aus dem zugeschlossenen Auto und fuhren mit einem anderen Fahrer mit. Selbst Schuld! :D In Daochang verbrachten wir einen gemütlichen Abend und machten mit einer Taiwanesin (Iting) Bekanntschaft. Trotzdem wir unglaublich müde waren, unterhielten wir uns bis tief in die Nacht.

 

Den Flug am nächsten Morgen vom höchsten zivilen Flughafen der Welt genoss wieder einmal nur ich! :D Nach nur einer Stunde  landeten wir wieder am Ausgangspunkt der Bergreise, in Chengdu. Hier folgte der letzte Höhepunkt unseres Roadtrips – PANDAS! :D In Chengdu gibt es eine Panda-Auffangstation, in der Pandas aufgepäppelt und wieder in die Freiheit entlassen werden. Stereotypisch denkt man, dass Pandas eigentlich nur den ganzen Tag schlafen und fressen. Und das stimmt auch! :D Sie müssen über 30 Kilo Bambus am Tag zu sich nehmen. Da Bambus wenig nährstoffreich ist, bleibt wenig Energie für andere Aktivitäten außer Schlafen. :D Trotzdem haben wir zu unserer Zufriedenheit viel mehr von den Pandas gesehen. Wir haben Mini-Pandas gesehen, die draußen entweder gepennt oder in der Gegend herumgekrabbelt bzw. herumgerollt sind. Wir entdeckten einen Panda, der auf einen echt dünnen Baum geklettert ist (Wir dachten, der Baum würde jeder Zeit umbrechen). Und wir haben einen Jüngling und seine Mutter zusammen spielen sehen, wobei es darin ausartete, dass die Mutter ihn über 20 Minuten lang jagte und der Kleine echten Spaß daran hatte (Video folgt). Zudem konnten wir das erste Mal rote Pandas (die sehen so aus wie kleine Waschbären in rot) betrachten. Mit unzähligen Eindrücken im Gepäck ging es dann am nächsten Morgen mit dem Zug nach Peking zurück. Im Zug ließen wir die Reise noch einmal Revue passieren. Man, war das ein Trip. Wir waren echt platt, aber glücklich.

 

Jetzt sind es nicht mehr mal drei Monate in China. Wie die Zeit vergeht...!

Vielen Dank fürs Lesen! Gehabt euch wohl. :)

Tanja und Flo

 

P.S. Ein kleiner Nachtrag von mir: Obwohl wir beide auf unserem Weg nach oben zu den beiden Bergseen völlig außer Atmen waren, hat Flo noch einmal seine ganze Kräfte zusammengenommen und mich ein gutes Stück den Berg hochgetragen. Da haben die Leute um uns herum aber nicht schlecht gestaunt! :D