Ein Jahr geht vorbei

So schließt sich der Kreis...

Wir wünschen euch allen ein gesundes neues Jahr. Wir hoffen ihr seid alle gut reingerutscht? Für uns waren die letzten Wochen ein Mix aus Stress, Heimweh, Fernweh und anderen Emotionen. Der Monat Dezember fing damit an, dass wir uns bei allen unseren Freunden hier mit einer kleinen Abschiedsparty verabschiedet haben. Wir haben letzten Endes nicht damit gerechnet doch so viele Freunde hier zu finden, die wir nun schmerzlich vermissen werden. In diesem kurzen und doch intensiven Jahr haben wir Freunde fürs Leben gewonnen, die aus allen Ecken der Welt kommen. Egal wohin wir auch in der Zukunft reisen werden, überall, ob nun Amerika, Afrika, auf den Philipinen, Kanada, England, Serbien, Mazedonien, Russland, Brasilien oder Mexiko, sind wir willkommen. Das fühlt sich unglaublich toll an. Bei einer feucht-fröhlichen Abschiedsparty konnten wir uns daher von vielen unserer Freunde verabschieden und versprachen uns, sich irgendwann wiederzusehen. Man sieht sich ja bekannterweise immer zweimal im Leben. Darauf vertrauen wir! :)

 

Dann bestand unser Dezember aus wirklich wirklich schlechter Luft. Das haben wir hier noch nicht erlebt. Für eine ganze Woche wurde von der Regierung für Peking und die angrenzende Provinz Alarmstufe Rot ausgerufen. Das hatte zur Folge, dass Schulen geschlossen wurden und auch unsere Privatschulen Klassen absagte, damit Schüler nicht von der schlechten Luft betroffen werden. Das gleich traf jedoch nicht auf die Lehrer zu. Wir mussten trotzdem zur Arbeit und uns dem Smog aussetzen. Naja, man kann nicht alles haben. :D Tanja kam einmal nach Hause und roch so als ob sie Kettenraucherin wäre. Echt nicht mehr schön. Zurzeit ist die Luft wieder wirklich schlimm und es scheint so, als ob China uns endlich loswerden möchte. :D Auf diese Luft können wir definitv verzichten!

 

Tanja und ich haben in unserem letzten Monat noch einmal alles an chinesischem Flair aufgenommen was geht. Wir waren in der chinesischen Oper und in einem Akrobatiktheater. Beide Abende waren Geschenke von Tanja und ihren Eltern (Vielen Dank Beate und Jörg). Es war unglaublich interessant und spannend mit anzuschauen. Die chinesische Oper war extra für Ausländer übersetzt worden, sodass auch wir verstanden worum es denn überhaupt ging. :D Die Akrobatikshow war der absolute Hammer. Auch hier gab es wieder so vieles zu sehen, angefangen von 12 Damen, die auf einem Fahrrad fuhren, bis hin zu sieben Motorradfahrern, die es schafften in einem kleinen kugelförmigen Gerüst nicht gegeneinander zu fahren. :)

 

Leider kam den ganzen Dezember keine richtige Weihnachtsstimmung auf. Dennoch haben wir versucht, es uns so gemütlich wie möglich zu machen. Fensterschmuck, Adventskalender und drei liebe Pakete unserer Familien und Freunde aus Potsdam und München haben dabei definitv geholfen. In China wird Weihnachten und Neujahr nicht wirklich gefeiert. Zugegeben, es läuft überall Weihnachtsmusik und hier und da wurde mancher Laden etwas geschmückt, aber irgendwas stimmte einfach nicht. Es fehlte der Geruch, die Weihnachtsmarktatmosphäre, die Ausgelassenheit. Für viele Chinesen sind Weihnachten und die Tage danach ganz normale Arbeitstage. Es ist einfach kein Fest der Liebe, der Ruhe und des Friedens, so wie es im Westen gefeiert wird und das merkt man. Hinzu kam, dass wir am 24ten noch unseren letzten Arbeitstag hatten und völlig unter Strom standen was unser Weiterreisen anbelangte.

 

Am Ende bekamen wir dann aber doch noch ein tolles Weihnachten geschenkt. Am letzten Arbeitstag verabschiedeten wir uns von allen Kindern und Lehrern und wurden um 18 Uhr aus unserer Lehrtätigkeit entlassen. Daraufhin trafen wir uns mit Albert, (ein chinesischer Freund meines Großvaters) der uns großzügigerweise zum Weihnachtsessen in ein deutsches Restaurant eingeladen hatte! :D Aufgrund seines Statuses in China und seiner Beziehung zu den Besitzern des Restaurants wurde unser Tisch sofort mit allerlei Speisen überhäuft, wohingegen alle anderen Tische auf ihr Essen warten mussten. :D Wir fühlten uns wie VIPs. Nachdem wir fritierte Garnelen, Weisswürste, Haxe und Sauerkraut nicht mehr sehen konnten, wurde traditionell zum Wettbiertrinken aufgerufen. Natürlich durften die beiden Deutschen nicht fehlen – und ich bin doch kein Biertrinker! :D Am Ende wurden wir beide zwar nicht Erster, erhielten dafür aber eine 1,5 Liter Sektflasche. Läuft! :D

 

Am 25. Dezember beschenkten wir uns dann endlich und feierten sowohl unseren ersten freien Arbeitstag, als auch Weihnachten zu zweit. Abends gingen wir mit drei ausländischen Lehrern (Mirja, Masha und Monica) in eine Karaokebar. Anders als man es bei uns kennt, wird man als Gruppe einen kleinen Raum geführt in dem man dann so laut und schief singen kann, wie man möchte. Solange deine Freunde es ertragen können, ist alles super. :D Keiner von uns hat allerdings schief gesungen und so hatten wir einen schönen Abend in toller Gesellschaft.

 

Ihr seht schon, Weihnachten wurde bei uns ein wenig nach hinten verschoben, denn erst die Tage nach dem eigentlichen Weihnachten fühlten sich weihnachtlich an. Am zweiten Weihnachtstag fuhren wir mit Freunden in den Norden Pekings um Ski zu fahren. Trotzdem alles um uns herum braun war, konnten die Schneekanonen dank der Kälte eine Menge Kunstschnee produzieren. Somit hatten wir einen tollen Tag im „Schnee“ und konnten uns auf geliehenen Skiern noch einmal richtig austoben. Für den ganzen Tag, inklusive Bustour, Ausleihe und Skiliftkarte haben wir übrigens nicht mehr als 50 Euro bezahlt – der Wahnsinn! Aber Österreich war es dann auch nicht! :D

 

Die vergangenen Tage waren wir damit beschäftigt, die letzten Besorgungen zu tätigen, unsere Arbeitsplätze leer zu räumen und letzte Dokumente einzusammeln. Nach mehreren unglaublich anstrengenden Email-Konversationen und privaten Gesprächen hatten wir es dann auch endlich geschafft unsere Flugpreiserstattungen durchzuboxen. Dies wurde uns zwar am Anfang des Jahres versprochen, führte dann aber doch zu einigen Komplikationen, wobei gerade der finanzielle Bereich des Unternehmens doch lieber öfter Mal die Ablehnen-Taste zu drücken vermochte.

 

Ein letztes Problem war noch der Koffer, der nach Hause geschickt werden musste. Die chinesische Post wollte dies nicht übernehmen, da er zu groß war. Andere Versandoptionen waren zu teuer und somit standen wir etwas ratlos dar. Ein Chinese bemerkte jedoch unsere Dilemma und vermittlte uns an einen privaten Agenten. Wir trafen uns gestern mit ihm in seinem „Büro“. Es war eine Bruchbude, um es genau zu sagen. Ein kleiner unverputzter Raum mit einem Teetisch, mehreren Paketen, zwei Schreibtischen und einer Couch. Manche wären hier schon schreined rausgerannt. Wir wissen jedoch schon längst, dass das Erscheinungsbild eine andere Rolle in China spielt. Es gilt: je dreckiger, desto besser besucht! :D Macht irgendwie Sinn! :D Unser Koffer wurde fachmännisch in Knisterfolie eingewickelt und wird nun irgendwie in 4 bis 5 Tagen per FedEx nach Deutschland befördert. Ob wir ihn jemals wiedersehen werden…wir wissen es nicht. Um ehrlich zu sein, wir haben schon Lebewohl gesagt! :D

 

Gestern nun feierten wir Silvester, was wieder einmal in China keine besondere Rolle spielt. Das chinesische Neujahr im Februar ist für die Chinesen das größte Spektakel im Jahr und wird ausreichend gefeiert. Da bleibt kaum Platz für westliche Silvestertraditionen. :D Das beduetete somit auch kein Feuerwerk. Für uns schloss sich gestern jedoch der Kreis. Zum chinesischen Neujahr aßen wir damals im 4Corners, was wir auch gestern wieder taten. Danach suchten wir uns eine gemütliche Bar, in der wir 3 weitere Deutsche (Ina, Maren und Jürgen) trafen. Zusammen feierten wir ein bisschen in das Jahr hinein und unterhielten und verstanden uns dabei prächtig. Kurz vor null Uhr wurden wir jedoch aus der Bar wortwörtlich rausgeekelt bzw. rausgeschmissen, da wir für die chinesischen Besitzer nicht den Minestumsatz machten und er das Gefühl hatte es eine Verschwendung wäre uns da sitzen zu lassen. Wenn wir ihm jedoch jeder 40 Euro gegeben hätten, hätten wir sitzenbleiben können. Wir lehnten ab, machten ihm klar, was wir von ihm hielten und trollten uns! :D Es ist einfach das Land der Gegensätze!

 

Für uns läuft nun der Countdown. Drei Tage noch bis wir nach Neuseeland fliegen. Wir sind unglaublich aufgeregt auf unsere nächsten fünf Monate. Wir melden uns nochmal bevor wir fliegen. Bis dahin, gehabt euch wohl. Wir wünschen euch einen tollen Start ins neue Jahr.

Wo bleibt die Zeit...?

Ein allerletztes Mal melden wir uns aus China. Zurzeit sitzen wir in Guangzhou am Flughafen und warten auf die vertraute Stimme, die uns in knapp zwei Stunden zum Flug nach Auckland, Neuseeland aufrufen wird. Wo ist bloß die Zeit geblieben? Genau vor einem Jahr luden wir noch so viele Freunde wie möglich zu unserer Abschiedsfeier ein und jetzt ist das Jahr schon wieder vorbei. Melancholie macht sich breit. :( Wir blicken auf ein Jahr voller kurioser, lustiger, erfüllender, aber auch zum Nachdenken anregender Momente zurück. Wir haben so viel von China gesehen und doch nur einen Bruchteil. Wir erblickten China als Großstadt und auch als Dorf. Wir waren im Norden, im Süden, im Osten und in der Mitte von China unterwegs. Wir haben so viele nette Menschen kennengelernt - Ausländer, wie auch Chinesen. Viele davon haben uns auf unserem Weg das Jahr über begleitet. Von vielen dieser teuer gewonnenen Freunden mussten wir uns nun verabschieden. Wir hoffen nicht für immer..

 

Für uns beginnt nun eine neue Zeit. Die Zeit des Reisens. Nach einem Jahr vollgestopft mit Arbeit und Geld sparen, erfüllen wir nun unseren Lebenstraum - eine halbe Weltreise. Wir sind unheimlich gespannt wie das wird. Gefühlt haben wir viel zu viel Gepäck mit, wobei es sich als schwierig gestaltet hat, reisen zu gehen und nebenbei noch seine Wohnung zu kündigen und alles entweder wegzuschicken oder mitzunehmen. Aber zur Not schmeißen wir halt Sachen weg. Zu wenig haben wir auf jeden Fall nicht mit! :D

 

Obwohl dieser Blog den Namen "Abzudekinesen" trägt, werden wir das "Baby" nun unter gleichem Namen weiterführen und von allen unseren Abenteuern in den nächsten fünf Monaten berichten. Wir bedanken uns bei allen aufrichtig, die diese Zeilen und alle unsere vorherigen Zeilen aufgesaugt haben. Dieser Blog ist ein Teil von uns und unserem Leben geworden und entpuppte sich als eine Art Tagebuch. Jedoch ist es kein privates Tagebuch, in das keiner reingucken darf, sondern eher ein unzensiertes Profil von uns, auf das jeder schauen darf und gern auch Kommentare machen oder Fragen zu unseren Abenteuern stellen darf.

 

In diesem Sinne schließen wir das Kapitel China ab. Wir wechseln dann mal eben wieder den Kontinent und sehen/hören/schreiben uns auf dem Ozeanischen Kontinent. Fünf Wochen Neuseeland, fünf Wochen Australien - Summer, here we come! :)