Nordinsel

Was für ein Paradies...

Neuseeland – wir sind da! Die allerersten Gedanken, die uns, als das Flugzeug zur Landung ansetzt, in den Kopf schießen, sind „frische Luft, blauer Himmel, Freiheit und endlose Weiten“! Schon vom Flugzeug aus haben wir uns sofort in das Land verliebt. Jetzt sind wir schon über eine Woche hier und an dem Empfinden hat sich bis jetzt nichts geändert. Es ist einfach wanhsinnig schön hier. Lasst uns ein wenig von unseren ersten Erfahrungen auf dem neuen Kontinent berichten.

 

Am Flughafen angekommen, konnten wir zwar an einer langen Warteschlange des Zolls nicht vorbei, dafür ging alles ohne Probleme. Selbst die chinesischen Nüsse, unsere Medikamente und unser Wanderzubehör durften wir ohne weitere Nachfrage mit einführen. Wir hatten unsere drei großen Rucksäcke in chinesiche Plastiktaschen verborgen und sahen damit fast schon chinesische Mainstream-Touris aus! :D Nachdem wir unser Geld gewechselt hatten und dabei fast 50 Euro verloren (ein Jammer L), machten wir uns auf den Weg in die Stadt Auckland, wo wir liebevoll von Dennis und Nicole empfangen wurden. Mit Dennis habe ich eine gefühlte Ewigkeit schon beim Werderaner Volleyballverein im Ligabetrieb die Brandenburgische Volleyballliga unsicher gemacht  und zusammen mit seiner Freundin haben wir uns auch in Deutschland schon öfter einmal getroffen und die Gesellschaft genossen. Beide sind seit September in Asien und Ozeanien unterwegs und reisen geauso wie wir. Da bot es sich an einen Teil der Strecke zusammen zu genießen. Somit vereinbarten wir den Monat im Neuseeland gemeinsam zu reisen und das Land kennenzulernen.

 

Unsere ersten Eindrücke von Neuseeland und auch Auckland waren nur positiv. Die Luft, das Meer, die Sonne, die Natur, das alles ist so unglaublich schön hier. Es stimmt, dass es in Neuseeland wahnsinnig teuer ist und man jeden Dollar gefühlt viermal umdrehen muss, bevor man ihn ausgibt, aber das empfanden wir beide nicht als negativ. In China gab es auch einige Sachen, die wir im alltäglichen Leben benötigten und die einfach echt teuer waren. Die Umstellung ist somit gelungen.  

 

Nach einem schön deutschem Empfangsessen (Bratkartoffeln mit Rührei und Speck) fühlten wir uns sofort heimisch und konnten im Nuh den Stress der letzten Wochen abschütteln. Die nächsten anderthalb Tage verbrachten wir auch noch in Auckland um ein wenig anzukommen. Es ist schon in vierlerlei Hinsicht eine Umstellung für uns gewesen. Eines der prägnanteren Änderungen ist der Geruch. In China hat ja fast keiner Perfüm oder Deo benutzt. Dementsprechend reagierten unsere Nasen etwas überrascht auf die vielen wohltuenden aber auch besitzergreifenden Gerüche anderer Menschen. Nachdem wir unser Auto dann zu viert eingesammelt hatten (SUV) und all unser Gepäck doch tatsächlich drin verstauen konnten, ging es los. Nach einem kurzem Zwischenstopp, der uns beiden die offiziellen Übersetzungsschreiben unserer Führerscheine einbrachte, ging es weiter in den Westen von Auckland. Nach einer Stunde kamen wir schon an der Küste an. Dort, mitten im Nirgendwo, (wie übrigens überall in Neuseeland – die haben nur 4,2 Millionen Einwohner) erhob sich eine Düne aus schwarzem Sand von der man runtergleiten konnte. Dieses Abenteuer wollten wir uns nicht entgehen lassen und versuchten es den anderen Abentuerlustigen nach zu machen und die Dünen herunter zu rutschen. Leider hatten wir kein Board, sondern nur Papiertüten, auf denen das Ganze dann doch nicht so gut klappte. So rannten wir stattdessen die Dünen hinuter und erfrischten uns anschließend noch in einem nahegelegenen See, sieben Tage nach Silvester. Ihr habt Schnee und wir gehen baden – läuft! :D

 

Erste Eindrücke vom Kiwiland

Bevor ich weiter von unseren Erlebnissen berichte, möchte ich kurz ein Wort oder auch zwei über unsere Wohnerlebnisse loswerden. Wir versuchen hier, wie wahrscheinlich jeder Backpacker, so billig wie möglich zu reisen. Das bedeutet zum einen, dass wir uns ein Auto gemietet haben und mit diesem durch die Gegend reisen. Zum anderen steuern wir jede Nacht Campingplätze an, auf denen wir (möglichst) nichts bezahlen müssen. Viele dieser Campingplätze liegen entweder völlig abgelegen in idyllischster Natur oder in der Stadt ganz nahe am Meer. So haben wir bis jetzt fast jede Nacht kostenfrei, umgeben von Natur und Kiwis, verbracht. Duschen sind auf diesen Campingplätzen meistens nicht vorhanden, sodass wir alle zwei bis drei Tage eine kalte oder heiße Dusche ansteuern, je nachdem was in der Nähe zu finden ist. Zu Essen gibt es zum Frühstück jeden Tag Brot mit Aufstrich oder Müsli um eine ordentliche Basis für den Tag zu schaffen. Mittags halten wir uns mit Avocados und Brie auf Brot über Wasser. Abends kochen wir mit dem von Dennis gekauften Gaskocher. Dabei steht alles auf der Tagesordnung – Nudeln, Reis, Wraps, leider! wenig Fleisch, weil dies unglaublich teuer ist.

 

So, nun aber weiter mit unseren Erlebnissen. Nach unserem Abenteuer auf der schwarzen Düne ging es für uns in den Osten der Nordinsel, auf die Coromandel Halbinsel. Dies war für mich die erste von vielen Linksfahrproben. Bisher ging alles glatt und ich stand niemanden plötzlich gegenüber, weil ich die falsche Einfahrtsseite genommen habe. Zum Glück sitzt Dennis aber meistens vorne um mir im Notfall die richtige Seite zu zeigen. Es ist schon passiert! :D Aber ihm auch! :D Auf der Coromandel Halbinsel haben wir unsere erste Nacht auf einem Campingplatz ganz nah am Wasser verbracht – kostenlos! Am nächsten Tag absolvierten wir den Pinnacle Track, der uns hoch auf einen Berg führte, von dem man die ganze Halbinsel aus bewundern konnte. Für uns war es der erste Track mit den beiden zusammen und man darf sagen, dass sich unsere Lauftempi sehr ähneln. :) Nach 5 ½ Stunden purem Laufen, ging es dann über unsere erste Gravelroad (Kiesstraße) ganz in den Osten der Halbinsel. Das ist schon was besonders über unasphaltierte Straßen zu heizen und sich dabei wie in einem Computerspiel zu fühlen. Abends hatten wir allerdings einige Probleme einen kostengünstigen Schlafplatz zu finden. Zum Glück gab es Danny. Danny ist der Besitzer eines italienischen Lokals mit einer Weinerei, welche Wein- und andere Alkoholverkostungen anbietet. Wenn man vor Ort für 20$ gegessen hätte, dann hätte man dort kostenlos campen können. Obwohl die Küche eigentlich schon geschlossen hatte und somit der Deal geplatzt wäre, bot uns Danny aus purer Freundlichkeit einen Schlafplatz und einen Platz an seinem Tisch an. Nachdem wir allerlei hauptsächlich selbstgebrannten Schnaps (aufs Haus) verkosten durften und er uns einiges über seine 7 deutschen Ex-Freundinnen und die Feijoa Frucht erzählt hatte, befahl er der Küche doch noch zwei Pizzen für uns in den Ofen zu schieben, um uns nicht verhungern zu lassen. Die Pizzen waren super, der Schnaps war lecker und wir hatten eine super Zeit. Am Ende bekamen wir noch zwei Bier auf unseren Tisch gestellt. Wir und der mittlerweile beschwipste Danny waren glücklich die Bekanntschaft miteinander gemacht zu haben. Coole Type ey! :D Zum Dank kauften wir noch drei Feijoa-Likör-Flaschen (LECKER!) und machten uns auf den Weg zu unserem Schlafplatz.

 

 

Am nächsten Tag fuhren wir weiter südlich an der Ostküste entlang. Die Hot Water Beaches und Cathedral Cove waren unsere Ziele. Die Hot Water Beaches sind einfach nur klasse. Man muss sich das wie folgt vorstellen: Am Strand kurz vor dem Wasser kommt eine heiße Quelle hoch und mündet im Meer. Das bedeutet zweimal am Tag, wenn Ebbe ist, kann man sich Löcher in den Sand graben und in einer heißen Quelle sein Dasein fristen. Natürlich ist der Strand massig überlaufen, aber jeder hilft hier jedem und so entsteht ein gemütliches Miteinander, in welchem jeder seine Ruhe findet. Ein besonderes Highlight ist der Zeitpunkt, wenn die Flut wieder einsetzt und sich die heiße Quelle mit kaltem Meerwasser vermischt. Ähnlich wie ein Saunagang mit anschließender kalter Dusche - nur dass man die ganze Zeit in der Saune sitzt. :D Danach wanderten wir ein kurzes Stück in Richtung Cathedral Cove, von wo aus man einen fantastischen Blick aufs Meer und ein paar Inseln hatte. Hier kann man den wunderschönen Strand, der besser sein soll als in Thailand (laut eines deutschen Kiwis) und eine riesengroße Höhle im Gestein bewundern. Mit Avocadobroten in der Hand genossen wir die Atmosphäre und ließen wieder einmal die Seele baumeln. Am Ende des Tages fuhren wir noch nach Tauranga um dort einerseits ein schönes selbstgekochtes Abendessen zu genießen und eine Freundin von Tanja zu besuchen (an dieser Stelle liebe Grüße an Jenny). Zum Abendessen ist zu sagen, dass es in Neuseeland überall Barbequeplätze gibt, an denen man nur einen Knopf betätigen muss und mit einer heißen Metallplatte belohnt wird. Dankbar über so viel Erfindergeist machten wir uns hungrig über unsere Wraps her. Danach holten wir Jenny von ihrer Arbeit ab und fuhren ein kurzes Stück ans Meer um ein bisschen „Catching-up“ zu tätigen! :)

hier und dort...

Zurzeit sitze ich in einem Zelt und verfasse einen der letzten Texte über unsere Abenteuer auf der Nordinsel Neuseelands. Es regnet und das ist toll. Es ist seit langem der erste Tag, an dem es tatsächlich einmal durchregnet. Hin und wieder erwischen wir Tage, die mit strahlendem Sonnenschein anfangen und im Regen enden. Das geht hier unten recht schnell. :D Trotz Regen haben wir es heute relativ schnell geschafft unsere Zelte zusammen aufzustellen. Wir funktionieren super gut zu viert. Wir ergänzen uns tatsächlich echt toll, auch wenn unsere Tagesabläufe immer noch recht verschieden sind. Vor acht Uhr aufzustehen, fällt uns immer noch schwer. Gut, dass wir Lehrer werden! :D Jeder von uns hat ein prägnantes Merkmal. Nicole ist definitiv die gute Seele von uns und „Mutti für alles“. :) Dennis ist ungelogen der beste Fahrer/Steuerberater/Zahlen-hin-und-her-Schieber in der Runde. Wie oft wie hier schon Geld gespart haben, weil er alles durchgerechnet hat, ist der Wahnsinn. Tanja trägt am meisten im Schlaf zur Runde bei, weil sie sobald wir ins Auto steigen und den Motor anstellen, sofort den Kopf in Richtung Scheibe neigt und einpennt! :D Ich, dagegen, bin für Optimismus und dumme Sprüche zuständig (mehr für das zweite :D) Also alles beim Alten! :) Bevor ich unsere weiteren Abenteuer beschreibe, möchte ich meine Gedanken zu den neuseeländischen Kiwis zum Ausdruck bringen. Die Kiwis, wie sie sich selbst nennen, sind unglaublich freundlich und hilfsbereit. Wir sind bis jetzt nur einem einzigen übelgelaunten Neuseeländer begegnet, der allerdings Alkoholiker war und etwas gegen deutsche Pfennigfuchser hatte. Ansonsten trifft man hier überall sehr zuvorkommende, offene Menschen, die sich gern anhören, was man schon erlebt hat und einem Tipps geben, was man noch unbedingt machen sollte. Das zuvorkommende Verhalten fängt schon im Supermarkt an, wenn man an der Kasse gefragt wird, was man heute schon erlebt hat, und endet auf der Straße, auf der fast jeder links ranfährt, wenn gemerkt wird, dass derjenige hinter einem schneller ist. In einer Taverne wurde uns sogar angeboten, das Geschirr für uns zu waschen. Etwas peinlich berührt nahmen wir das Angebot an und revanchierten uns, indem wir Geld für Eis und Kaffee ausgaben, was eigentlich nicht ins Budget passte.

 

In den vergangenen Tagen ist so viel passiert, dass es unmöglich erscheint jeden Tag einzeln aufzuschreiben. Gefühlt müsste man es aber eigentlich tun. Aufgrund der nicht so konsequenten Wifi-Abdeckung in Neuseeland beschränke ich mich somit nur kurz auf Ereignisse , die wir in den letzten Tagen erlebt haben.

 

Nach unserer Begegnung mit Jenny haben wir einen Track zum größten Wasserfall der Nordinsel gemacht. Nach nur einer knappen Stunde Laufen bot sich uns ein Panorama, welches seines gleichen sucht. Danach ging es zu einem der vielen Schauplätzen von „Herr der Ringe“ – ins Auenland. Dort wo alles begann, ergatterten wir einen Platz bei einer geführten Tour. Die Emotionen, die an diesem Ort hochkamen, waren sehr vielseitig. Man fühlte sich an den Film zurückerinnert, in dem uns das erste mal Frodo, Bilbo, Sam und Galdalf vorgestellt wurden. Es ist einfach echt toll, dass Peter Jackson diesen Platz damals aus dem Hubschrauber entdeckt hatte und nicht mehr davon wegkam. Fazinierenderweise ist in den kleinen Häuschen absolut nichts. Die Innenaufnahmen wurden damals alle in Wellington im Studio gedreht. Nach einer schönen zwei-stündigen Tour durften wir dann noch ein Getränk im legendären Green Dragon Inn schlürfen. Herrlich!

 

Den darauffolgenden Tag waren wir im Wai-O-Tapo, einem Thermalpark, in dem es auch einen schönen Geysir gibt – Lady Knox. Um kurz nach zehn wurde dieser künstlich (durch ein spezielles Gemisch) zum Ausbrechen gebracht. Es war ein wahres Naturschauspiel. Ohne künstliches Vorantreiben des Ausbruches hätten wir 72 Stunden warten müssen. Die Zeit hatten wir dann doch nicht! :D Im Thermalpark verbrachten wir dann noch eine tolle Zeit bei unglaublich ekligem Schwefelgeruch. Holy Moly stinkt das da nach verfaulten Eiern! :D Überall gab es natürliche Pools in verschiedenen Farben, aus denen es nur so blubberte. Großartig mitanzuschauen! Allerdings hätte man fast seine chinesische Maske wieder aufsetzen können! :D

 

Wieder einen Tag später (ihr merkt schon, wie voll unsere Tage gespickt sind) machten wir uns nach einem weiteren Wasserfall, den Huka Falls, durch den jede Sekunde 200.000 Liter Wasser rauschen, nach Rotorura auf, um etwas über Maori beigebracht zu bekommen und hoffentlich kleine Kiwis zu sehen. Wir hatten eine relativ teure Tour gebucht, die sich im Endeffekt unglaublich gelohnt hat. Um kurz nach 18 Uhr fanden wir uns in einem Zelt, mit 200 anderen Gästen, ein und wurden in die Maorikultur eingeführt. Nach einer kurzen Einleitung und dem Wählen eines Stammesoberhaupts wurden wir zum Fluss geschickt um die Maorikrieger in Empfang zu nehmen. Und da kamen sie, mit maorischem Sprechgesang, weit aufgerissenen Augen, schlangenähnlichen Hisslauten und herausgestreckten Zungen. Furchteinflößend! In einer Halle folgte dann ein Schauspiel, was einfach unglaublich war: Tanzaufführungen, Gesänge, Kampfeinlagen, und der weltberühmte Haka – das alles bot man uns. Zudem wurde uns noch mehr über die Kultur der Maori erzählt. Zum Beispiel besteht die Gesichtstätowierung der Maori aus vier Tieren – der Fledermaus, dem Papagai, dem Kiwi und der Eule. Alle haben ihre eigene Bedeutung. Wir fühlten uns wie im Rausch. Gerade als der Haka ausgeführt wurde, fühlte ich mich an den Spowifasching vor sechs Jahren erinnert, wo man so eben mal beiläufig die Worte aufgesagt und die Bewegungen nachgeahmt hatte, die hier eine sehr große Bedeutung haben und sehr viel Geschichte tragen. Das Aufreißen der Augen mit dem Herausstreckem der Zunge bedeutet übrigens, dass die Maori jemandem gegenüberstehen, der unglaublich lecker aussieht – unglaublich beruhigend! :D

 

Nach der tollen Aufführung gab es ein köstliches Festmahl, welches über einem Steinofen geräuchert worden war. Dann wurden wir irgendwann nach 21 Uhr von einer Dame abgeholt, die uns in ein kleines Kiwi-Reservat brachte. Kiwis sind unglaublich niedliche, putzige, scheue und nachtaktive Vögel, die zwar nicht fliegen, aber echt schnell rennen können, und durch ihre lange Schnabelnase schnüffeln können. In einem abgedunkelten Gehege waren drei Kiwis anzutreffen. Um ihnen nahezukommen, durfte man aber keinen Mucks machen. Jeder noch so kleine Laut verscheuchte die kleinen Federknäule. Wir sahen alle drei und freuten uns wie Kullerkekse, weil sie sehr selten und vom Aussterben bedroht sind. Früher gab es einmal 12 Millionen von ihnen. Dann kamen Menschen mit Katzen und Hunden auf die Insel und zusätzlich führten die Australier die Opossum-Plage ein. Der Vogel hat es heute leider nicht mehr so leicht.

 

Zwei Berge in sieben Tagen...

Nach einem Tag voller neuseeländischer Eindrücke ging es dann auf in den Süden der Nordinsel, wo wir unsere erste mehrtägige Tour um den Schicksalsberg aus Herr der Ringe machen wollten. Dieser steht im Tongariro Nationalpark. Vier Tage lang wollten wir um ihn herumwandern. Leider wurde uns schon zu Beginn gesagt, dass das Wetter am zweiten Tag definitiv nicht mitspielen würde und wir die Bergkette unter Umständen nicht passieren könnten. Trotzdem machten wir uns bei herrlichem Wetter auf den Weg zur ersten Hütte. Mit insgesamt circa 90 Kilo auf den Rücken schleppten wir uns die ersten 4-5 Stunden zur ersten Hütte und merkten deutlich, dass wir uns mit dem Gewicht total überschätzt hatten. Jeder von uns spürte entweder seine Hüfte, seinen Rücken oder seine Knie. An der Hütte angekommen, schlugen wir unsere Zelte auf und warteten auf das Urteil des dort ansässigen Rangers. Dieser bestätigte unsere dunkle Vermutung, dass nicht nur der nächste, sondern auch der darauffolgende Tag Dauerregen und Windböen von 85-90 km/h bringen sollte. Wahrscheinlich sah man unsere Niedergeschlagenheit an, denn kurz darauf gesellten sich zwei Wanderer zu uns, die die ganze Strecke (die wir in vier Tagen machen wollten) an einem Tag machten. :D Einer davon hatte die Strecke schon 7 Mal angefangen und immer wieder wegen schlechten Wetters abbrechen müssen. Beide empfohlen uns unsere Rucksäcke zu leeren, nur Wasser und Proviant mitzunehmen und das Tageslicht noch zu nutzen um nach oben zu kommen. Es war bereits 16 Uhr und wir wären noch einmal 4-5 Stunden unterwegs gewesen, aber das Erlebnis wollte sich keiner von uns nehmen lassen. So streckten wir unsere müden Glieder, packten schnell um und schossen Richtung Berg. Unterwegs trafen wir einen Engländer, Sol, der in Tanktop, kurzer Hose und Null-Acht-Fuffzig-Schuhen die gleiche Idee wie wir hatte. :D Wir freundeten uns schnell an und gingen die Strecke gemeinsam. Dank seiner Frohnatur und seinem Redeschwall verging die Zeit verdammt schnell und wir erreichten nach zwei Stunden das obere Plateau. Oben wurde es bereits sehr windig und sehr kalt. Sol fror sich bereits den Arsch ab, worauf er dankbar meinen Pullover und meine Regenhose annahm, die ich noch zusätzlich mit mir herumschleppte. Oben angekommen, hatten wir eine fantastische Sicht. Zwar waren wir nicht ganz oben auf der Spitze, wo Frodo den Ring hereingeschmissen hatte (das wäre nur für erfahrene Bergsteiger gewesen), dafür hatten wir einen wunderschönen Blick auf die Emerald Lakes, Bergseen, die in den verschiedensten Blautönen funkelten. Wir waren im (kalten) siebenten Himmel. Nachdem auch uns so richtig kalt geworden war, machten wir uns auf den Abstieg und luden Sol noch zu einem kargen Pastaessen ein (wir hatten ja genug für vier Tage). Sol half uns daraufhin noch unser Auto umzuparken, damit wir am Folgetag nicht so weit durch den Regen zurücklaufen mussten. Und das war auch gut so, denn am nächsten Tag prasselte und windete es mal so richtig. Zwei Paare versuchten, laut Ranger, wohl den Aufstieg. Eines davon drehte oben wieder um, weil es absolut nicht möglich war den Berg zu passieren. Das andere deutsche Paar hat es wohl geschafft. :D Unter Dauerregen schafften wir irgendwie unsere Zelte abzubauen und uns auf den Weg zum Auto zu machen. Schade, dass wir die Tour abbrechen mussten, aber Sicherheit geht vor. Und so hatten wir noch drei extra Tage um die Nordinsel kennenzulernen.

 

Somit machten wir uns auf in den Westen zum Mount Taranaki. (liebevoll: Mount Teriyaki oder Toblerone genannt) :D Auf dem Weg dorthin passierten wir den „Forgotten World Highway“ (die haben hier echt tolle Namen für ihre Highways, wie zum Beispiel Surf Highway [viel besser als B12] :D) Der „Forgotten World Highway“ ist nicht wirklich ein Highway, sondern eher eine kleine sich unendlich windende Bergstraße, die zum Teil aus Schotter besteht. Ein wahres Fahrerlebnis durch wunderschöne Natur. Zwischendurch kamen wir noch durch eine kleine Stadt, die vor Jahren ihre Unabhängigkeit ausgerufen hat und somit theoretisch nicht mehr zu Neuseeland gehört. :D Praktisch sieht das ganze natürlich anders aus. Witzig ist es trotzdem allemal und so holten wir uns im legendären Pub (dort wo alles begann) einen Stempel für unseren Reisepass ab. :D Nach einer endlosen Strecke durch halb Neuseeland kamen wir dann endlich am Mount Taranaki an und schlugen unsere Zelte an einem wunderschönen See auf. Der See gehört zu einem Reservat, welches nur durch zwei elektronische Tore zu erreichen war. Als wir durchfuhren, fühlten wir uns an Jurassic Park erinnert. :) Wer beim letzten Bericht aufgepasst hat, weiß warum diese Sicherheitsmaßnahme besteht – richtig: alles für die Kiwis. :D An diesem schönen Platz campten wir ungewollt insgesamt drei Nächte. Jeden Morgen bauten wir alles wieder ab, nur um am Abend zu entscheiden, doch noch mal dort zu übernachten. :) In den folgenden zwei Tagen umrundeten wir den Berg per Auto, guckten uns die Lichtershow in New Plymouth an, wanderten zu einem kleinen Wasserfall und wuschen unsere Wäsche. Muss ja auch mal sein, nachdem wir unsere Unterwäsche ein drittes Mal umdrehen mussten….Neee war nur Spaß :D Auf dem Campingplatz lernten wir auch ein junges Paar kennen, Olga und Samuel. Beide sind wie wir Wunschexilanten aus Deutschland :D Bei der Frage, wo man denn so aus Deutschland herkommt, mussten wir schon ein bisschen schmunzeln, denn Samuel kommt nicht nur, wie Tanja, aus Berlin, sondern auch noch aus Tempelhof und ist in Mariendorf zur Grundschule gegangen. Zusätzlich hat er im Globetrotter gearbeitet und meinte auch sich an uns zu erinnern. So klein ist die Welt also schon! :D Ein toller Zufall, wie wir finden. Wir verbrachten zwei schöne Frühstücke zusammen und verstanden uns echt super. Schade, dass sich unsere Pläne nicht noch weiter überkreuzt haben, aber wir trafen sie dann zufällig noch einmal in einer anderen Stadt und wer weiß wo wir die beiden noch so alles wiedersehen. Liebe Olga, lieber Samuel, es war schön mit euch und wir sehen uns defintiv in Deutschland wieder. :)

 

Über einen kleinen Umweg zu einer Glühwürmchenhöhle (es hatte doll geregnet, aber wir haben trotzdem ein paar entdecken können) ging es dann ganz in den Süden, nach Wellington. Von dort wollten wir auf die Südinsel übersetzen. Vor 5 Tagen war es dann soweit. Unsere Zeit auf der Nordinsel neigte sich dem Ende zu und die Südinsel war dran, erobert zu werden. Ihr seid also fast up-to-date! :D Die Fährfahrt war bei dem Wellengang nicht ohne, sodass ich kurz seekrank wurde (das ist mir noch nie passiert) und Tanja sich um mich kümmern musste. Am Heck des Schiffes konnte ich mich dann allerdings erholen. :D  Jetzt sind wir also auf der Südinsel. In zwei Wochen geht es schon weiter nach Australien. Ach, wie die Zeit rennt. Aber es ist einfach herrlich. Liebe Grüße ans kalte Winterdeutschland. Wir vermissen euch alle! Dolle! :)

Eure Kiwi-Kinesen